Die tunesische Menschenrechtlerin Sihem Bensedrine, die bei den Human Rights Watch-Dinners in Hamburg und München (7. und 9. November 2011) geehrt wird.

© Reuters


Mit dem Alison Des Forges Award ehrt Human Rights Watch den Mut von Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um die Würde und die Rechte anderer zu verteidigen. Human Rights Watch arbeitet eng mit diesen mutigen Menschenrechtlern zusammen, um einer Welt frei von Gewalt, Diskriminierung und Unterdrückung näher zu kommen.

Die Journalistin und Menschenrechtlerin Sihem Bensedrine setzt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für die Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen und den Schutz der freien Meinungsäußerung ein. Während der autoritären Herrschaft von Präsident Ben Ali, der Anfang 2011 nach mehr als 23 Jahren an der Macht gestürzt wurde, war Bensedrine wiederholt Opfer von Inhaftierungen, Verleumdungskampagnen, der Beschlagnahmung oder Zerstörung von Eigentum und der Verfolgung naher Verwandter, einschließlich ihrer Kinder.

Im Jahr 1998 beteiligte sie sich trotz großer Risiken für ihre Sicherheit an der Gründung des Nationalen Rats für Freiheiten in Tunesien (CNLT), einer Organisation, welche die Menschenrechtslage in Tunesien beobachtet und Informationen dazu veröffentlicht. Bis zum Fall Ben Alis verweigerte die Regierung dem CNLT ihre offizielle Anerkennung. Bensedrine war auch Mitgründerin des Observatoriums für die Freiheit der Presse, des Verlagswesens und der Kunst (OLPEC) und des unabhängigen Nachrichtenportals und Radiosenders Kalima, bei dem die Behörden regelmäßig Razzien mit dem Ziel der Schließung des Senders durchführten.

Trotz der ständigen Schikanierung und polizeilichen Überwachung durch die Regierung Ben Alis gab Bensedrine den internationalen Medien zahllose Interviews, um ihre Aufmerksamkeit auf die Menschenrechtsverletzungen in Tunesien zu lenken. Im Jahr 2001 wurde sie von der tunesischen Polizei geschlagen und für zwei Monate inhaftiert, nachdem sie in einem Interview mit einem ausländischen Fernsehsender Folter, Korruption und den Mangel an Unabhängigkeit in der tunesischen Justiz kritisiert hatte.

Wegen der zunehmenden Gefährdung ihrer Sicherheit und dem wachsenden Druck von Seiten der Behörden ging Bensedrine im Jahr 2009 ins Exil. Nach dem Sturz Ben Alis im Januar 2011 kehrte sie nach Tunis zurück, wo sie heute als Leiterin der Arabischen Arbeitskreises zur Beobachtung der Pressefreiheit arbeitet. Die Gruppe beschäftigt sich mit Fragen der freien Meinungsäußerung und veröffentlichte Berichte, in denen die Berichterstattung der staatlichen Medien über Wahlen in der arabischen Welt, einschließlich der Wahlen in Tunesien im Jahr 2009, untersucht werden. Bensedrine ist außerdem als Sprecherin für den CNLT tätig.
Human Rights Watch ehrt Sihem Bensedrine für ihren enormen Mut und die Hartnäckigkeit, mit der sie ihre Stimme gegen Menschenrechtsverletzungen erhoben und sich für Menschenrechtsreformen in Tunesien eingesetzt hat.