Farai Maguwu, Menschenrechtsverteidiger aus Simbabwe und Ehrengast bei den diesjährigen Human Rights Watch-Dinnern in Deutschland.

© 2011 Jennifer Strader

(New York) – Ein mutiger und unermüdlicher Menschenrechtsverteidiger wurde als Preisträger des renommierten Alison Des Forges Award for Extraordinary Activism ausgewählt, wie Human Rights Watch heute bekanntgab. Abbé Benoît Kinalegu aus der Demokratischen Republik Kongo ist ein führender Menschenrechtsverteidiger, der sich unermüdlich für die Rechte und die Würde anderer einsetzt. Zusammen mit vier anderen Gewinnern wird er anlässlich des jährlichen Human Rights Watch Dinners „Stimmen der Gerechtigkeit“, das in 16 verschiedenen Städten weltweit stattfindet, im November 2012 ausgezeichnet.

Der Preis ist nach Dr. Alison Des Forges benannt, langjährige Beraterin der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch, die bei einem Flugzeugabsturz über New York am 12. Feburar 2009 ums Leben kam. Alison Des Forges war die weltweit führende Ruanda-Expertin, spezialisiert nicht nur auf den Genozid von 1994, sondern auch auf dessen Nachwirkungen. Mit dem jährlichen Preis in ihrem Namen ehrt Human Rights Watch ihr außergewöhnliches Engagement für Menschenrechte und deren Verteidigung. Der Preis honoriert den Wagemut jener Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen um eine Welt zu schaffen, die frei von Missbrauch, Diskriminierung und Unterdrückung ist.

„Diese Menschenrechtsverteidiger haben öffentlich Stellung bezogen und Menschen geholfen, die in einigen der gefährlichsten und schwierigsten Situationen dieser Welt leben und dringend Hilfe brauchten.“ sagt Kenneth Roth, Direktor von Human Rights Watch. „Sie zeigen, dass man mit Mut und Ausdauer etwas verändern kann, auch in Zeiten von Konflikten oder gewaltsamen Umbrüchen.“

Der Gewinner des 2012 des Alison Des Forges Award for Extraordinary Activism ist:

BenoitAbbé Benoît Kinalegu, ein kongolesischer Priester und Direktor der Dungu-Doruma Diözesankommission für Gerechtigkeit und Frieden. Benoît Kinalegu prangert öffentlich Missbräuche durch die „Lord’s Resistance Army“ an und hilft den Opfern dieser Taten sich wieder in das normale Leben einzugliedern; und

 

Er wird beim Dinner in Santa Barbara und Los Angeles geehrt. Abbé Kinalegu wird zudem ins Silicon Valley und nach San Francisco reisen.

Preisträger aus dem Jahre 2011, die ebenfalls dieses Jahr Nordamerika und Europa bereisen, sind:

SihemSihem Bensedrine, tunesische Journalistin, die der „arabischen Arbeitsgruppe für Medienaufsicht“ vorsitzt und als Sprecherin für den „Nationalen Rat für Freiheit in Tunesien“ arbeitet. Sie wird nach Amsterdam und Genf reisen;

 

anisAnis Hidayah, geschäftsführende Direktorin von „Migrant Care“, einer führenden indonesischen Organisation, die für die Rechte von Millionen von Wanderarbeitern kämpft. Sie wird nach Oslo und Zürich reisen;

 

FaraiFarai Maguwu, Direktor des Center for Natural Resource Governance (Zentrum für Rohstoffpolitik) in Ost-Simbabwe und führende Stimme gegen den Missbrauch, der in den Marange Diamantenfeldern stattfindet. Er wird nach München, London und Paris reisen; und

 

ConsueloConsuelo Morales, Direktorin der Organisation „Bürger für Menschenrechte“ mit Sitz in Monterrey. Die Organisation klagt öffentlich Missbrauch an, der in Mexikos „Drogenkrieg“ begangen wird. Sie wird nach Chicago, New York und Toronto reisen.

 

Die enge Zusammenarbeit mit Menschenrechtsverteidigern gehört für die Human Rights Watch-Mitarbeiter grundsätzlich zur Forschungsarbeit, die sie in den nahezu 90 Ländern betreiben, in denen HRW arbeitet. Die Menschenrechtsverteidiger werden bei den jährlichen Dinner „Stimmen der Gerechtigkeit“ von Human Rights Watch geehrt. Dieses Jahr finden die Dinner in Amsterdam, Beirut, Chicago, Genf, London, Los Angeles, München, New York, Oslo, Paris, San Francisco, Santa Barbara, im Silicon Valley, Toronto und in Zürich statt.

Abbé Benoît Kinalegu, Demokratische Republik Kongo Abbé Benoît Kinalegu prangert öffentlich die Verbrechen der “Lord’s Resistance Army” an und arbeitet daran, den Opfern dieser Verbrechen wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Die LRA-Rebellengruppen terrorisieren Menschen in Zentralafrika, indem sie Zivilisten, darunter auch Kinder, töten, vergewaltigen und entführen. Herr Kinalegu half ein Frühwarnnetzwerk über das Radio zu etablieren, das frühzeitig über verdächtige LRA Aktivitäten berichtet. Des Weiteren arbeitet er an Wiedereingliederungsprogrammen für Menschen, die von der LRA entführt worden und entkommen sind. Er ist eine einflussreiche Stimme geworden, die die internationale Gemeinschaft dazu drängt, die LRA-Befehlshaber vor Gericht zu bringen. Human Rights Watch ehrt Herrn Kinalegu für sein Engagement zum Schutz von Zivilisten und zur Beendigung der Gewalt durch die LRA.

Sihem Bensedrine, Tunesien Die Journalistin und Aktivistin Sihem Bensedrine arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten, um Menschenrechtsverletzungen in Tunesien aufzudecken und die Meinungsfreiheit in ihrem Land zu verteidigen. Sie ist Mitbegründerin des „Nationalen Rates für Freiheit in Tunesien“; des „Observatory for Freedom of the Press, Publishing, and Creation“ und der unabhängigen Internetseite und Radiostation „Kalima“. Sie wurde eingesperrt, geschlagen und unnachlässig von der Ben Ali-Regierung bedroht, bevor diese im Januar 2011 aus dem Amt vertrieben wurde. Trotzdem hat ihr öffentliches Engagement für Menschenrechte niemals nachgelassen. Human Rights Watch ehrt Frau Bensedrine für ihren beeindruckenden Mut und ihre Ausdauer bei der öffentlichen Anklage von Menschenrechtsverletzungen sowie für ihr beständiges Eintreten für eine Menschenrechtsreform in Tunesien.

Anis Hidayah, Indonesien Anis Hidayah ist die geschäftsführende Direktorin der Organisation “Migrant Care”, die ihren Sitz in Jakarta hat. Frau Hidayah setzt sich für Millionen indonesischer Männer und Frauen ein, die im Ausland nach einer Arbeit suchen, um ihre Familien zu ernähren und sich häufig großen Gefahren aussetzen. „Migrant Care“ und Human Rights Watch haben nachgewiesen, dass indonesische Hausangestellte in Malaysia, Saudiarabien und Kuwait bis zu 18 Stunden pro Tag arbeiten müssen, und das an sieben Tagen in der Woche. Viele werden nicht bezahlt, und einige werden von ihren Arbeitgebern eingesperrt, geschlagen oder vergewaltigt. Human Rights Watch ehrt Frau Hidayah für ihren energischen Einsatz um die abscheulichen Menschenrechtsverletzungen gegen indonesische Hausangestellte öffentlich zu machen und zu beenden.

Farai Maguwu, Simbabwe Als Direktor des „Zentrums für Forschung und Entwicklung“ in Simbabwe hat Farai Maguwu umfangreiche Nachforschungen angestellt, die die schrecklichen Zustände in den Marange Diamantenfeldern dokumentieren. Nachdem sich Herr Maguwu mit einem Beobachter des „Kimberley Process Certification Scheme” (das weltweite Kontrollsystem für Diamanten) im Mai 2010 getroffen hatte, um die Menschenrechtsverletzungen zu diskutieren, wurde er unter der Anklage, falsche Informationen verbreitet zu haben, festgenommen, eingesperrt und gefoltert. Human Rights Watch ehrt Herrn Maguwu für seinen herausragenden Mut bei seinem Engagement gegen die überhand nehmenden Menschenrechtsverletzungen in der Region.

Consuelo Morales, Mexiko
Consuelo Morales arbeitet in Mexiko um Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu verteidigen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Sicherheitskräfte haben großflächig grundlegende Menschenrechte der Bürger missachtet. Menschen wurden gefoltert, vergewaltigt und verschwanden spurlos. Diesen Verbrechen wird jedoch so gut wie nie nachgegangen. Trotz andauernder Drohungen hat Frau Morales‘ Organisation alles getan, um im Staat Nuevo León diese Fälle zu dokumentieren, Prozesse in wichtigen Fällen zu führen und den Opfern von Übergriffen durch die Sicherheitskräfte oder die Drogenkartelle entscheidende Unterstützung zukommen zu lassen. Human Rights Watch ehrt Frau Morales für ihr mutiges Eintreten, um die herrschende Straffreiheit zu beenden und den Opfern der Menschenrechtsverbrechen des mexikanischen „Drogenkriegs“ zu helfen.