Die Regierung Zimbabwes weigert sich, den Hunderttausenden Menschen zu helfen, die durch Zwangsräumungen vertrieben wurden. Gleichzeitig behindert Zimbabwe bewusst internationale Hilfsorganisationen.

Der 61-seitige Bericht "Evicted and Forsaken: Internally Displaced Persons in the Aftermath of Operation Murambatsvina" (Vertrieben und im Stich gelassen: Binnenflüchtlinge nach der Operation Murambatsvina) beschreibt, wie die Regierung Binnenflüchtlingen humanitäre Hilfe verweigert. Sie wurden durch die im Mai gestartete Operation Murambatsvina ("Weg mit dem Schmutz") vertrieben. Der Bericht untersucht auch die Rolle internationaler Organisationen, insbesondere die Rolle der Vereinten Nationen, in der humanitären Krise in Zimbabwe.

"Die Regierung von Zimbabwe hat eine humanitäre Krise ausgelöst, durch die Hunderttausende von Menschen obdachlos wurden", erklärte Peter Takirambudde, Leiter der Afrikaabteilung von Human Rights Watch. "Die Regierung weigert sich nicht nur, die Krise anzuerkennen. Sie lässt auch die Männer, Frauen und Kinder im Stich, die gewaltsam aus ihren Häusern geworfen wurden."

Hunderttausende vertriebene Menschen leben im Freien, auf leer stehenden Feldern, im Busch oder in rudimentären Unterkünften, die sie aus den Trümmern zerstörter Häuser gebaut haben. Manche sind bei Verwandten in winzigen Räumen untergekommen.

Die Regierung unter Präsident Robert Mugabe hat laut Human Rights Watch bis heute nichts unternommen, um die Vertriebenen mit Lebensmitteln, Wasser, sanitären oder medizinischen Einrichtungen zu versorgen. Harare behob auch nicht die katastrophale Situation jener Bevölkerungsgruppen, die besonders stark von den Zwangsräumungen getroffen sind, wie Witwen, Waisenkinder, chronisch Kranke oder ältere Menschen. Viele Kinder leiden an Unterernährung und sind an Lungenentzündung erkrankt, nachdem sie monatelang im Freien übernachten mussten. Hunderte an HIV/Aids erkrankte Menschen haben aufgrund der Zwangsräumungen keinen Zugang mehr zu lebensrettenden Behandlungsprogrammen.

Die aus ihren Häusern Vertriebenen wurden dazu gezwungen, die Städte zu verlassen. Laut Human Rights Watch bedrohten, drangsalierten oder schlugen Polizisten die Flüchtlinge, um sie in ländliche Gegenden umzusiedeln. Außerdem haben die meisten der Vertriebenen keine Häuser oder Familien auf dem Land, wo es kaum Sozialversorgung oder Arbeitsplätze gibt.

In grober Missachtung internationaler Abkommen hat Zimbabwes Regierung internationalen Hilfsorganisationen den Zugang zu den Binnenflüchtlingen untersagt. "Es ist skrupellos, dass Zimbabwe humanitäre Hilfsaktionen für die vertriebene Bevölkerung blockiert", sagte Takirambudde. "Diese Behinderungen gefährden das Leben der Menschen."

Im Bericht wird betont, dass es die Aufgabe der Regierung in Harare sei, den Vertriebenen zu helfen. Doch Human Rights Watch kritisiert auch das Hilfsprogramm der Vereinten Nationen. Das Team der UNO vor Ort hat versäumt, die Situation der Vertriebenen richtig einzuschätzen und so einen Ausweg aus der misslichen Lage zu finden. Die zuständigen Stellen innerhalb der Vereinten Nationen sind nicht bereit gewesen, die Regierung wegen der Menschenrechtsverletzungen zu kritisieren und gegen die Behinderung der Hilfsaktionen zu protestieren. "Die UNO kann nicht für die Taten der Regierung verantwortlich gemacht werden“, sagte Takirambudde. "Aber sie ist dazu verpflichtet, den Hundertausenden von Vertriebenen zu helfen und sie zu beschützen."

Human Rights Watch appellierte an die Regierung Zimbabwes, nationalen und internationalen Hilfsorganisationen Zugang zu den Opfern der Operation "Murambatsvina" zu gewähren. Harare muss den Vertriebenen sofort Unterstützung in Form von Nahrung, Wasser, Unterkunft und Medikamenten zukommen lassen oder zumindest deren Versorgung ermöglichen. Hilfsorganisationen sollen besonderes Augenmerk auf die Situation von Witwen, Kindern, Alten und chronisch Kranken legen.

Human Rights Watch forderte das Team der UNO vor Ort auf, ihr Mandat voll auszuschöpfen. Nur so kann allen von Zwangsräumung Betroffenen geholfen und deren Menschenrechte geschützt werden.