(Bangkok) – Die Militärjunta in Myanmar hält weibliche politische Gefangene unter Folter, sexueller Gewalt und lebensbedrohlicher Verweigerung medizinischer Versorgung gefangen, erklärte Human Rights Watch heute.
Unter den mehr als 30.000 politischen Gefangenen, die seit dem Putsch der Junta im Februar 2021 inhaftiert sind, befinden sich etwa 6.600 Frauen und 640 Kinder. Ehemalige Gefangene und ihre Familien berichten von Schlägen, Vergewaltigungen, menschenunwürdigen Haftbedingungen sowie der gefährlichen und mitunter tödlichen Verweigerung medizinischer Versorgung schwangerer Frauen während der Schwangerschaft und bei der Geburt. Die Junta sollte alle weiblichen politischen Gefangenen und ihre Kinder unverzüglich und bedingungslos freilassen, darunter auch die ehemalige Regierungschefin Aung San Suu Kyi, die seit mehr als fünf Jahren inhaftiert ist.
„Frauen, die in Myanmar als politische Gefangene inhaftiert waren, zeichnen ein äußerst verstörendes Bild eines Gefängnissystems, in dem Leid und Vernachlässigung sowohl vorsätzlich als auch routinemäßig sind“ sagte Bryony Lau, stellvertretende Asien-Direktorin bei Human Rights Watch. „Die Frauen sind mit vielschichtiger Ungerechtigkeit konfrontiert – von willkürlichen Verhaftungen über Folter und Misshandlung in der Haft bis hin zu unerbittlicher Angst und Traumata nach ihrer Freilassung.“
Zwischen 2025 und 2026 befragte Human Rights Watch 17 ehemalige politische Gefangene, 3 Familienangehörige sowie 4 Anwalt*innen und Rechtsbeistände. Die ehemaligen Inhaftierten – die zum Zeitpunkt ihrer Festnahme als Aktivistinnen, Journalistinnen, medizinische Fachkräfte und Entwicklungshelferinnen tätig waren – wurden in 11 Verhörzentren und Gefängnissen festgehalten, einige davon bereits seit dem Militärputsch im Jahr 2021.
Die Frauen gaben an, dass gegen sie aufgrund verschiedener Strafgesetzbuchbestimmungen ermittelt wurde, die gegen tatsächliche oder vermeintliche Kritiker*innen der Junta angewendet werden. Dazu gehören § 505A des Strafgesetzbuchs, ein vages und zu weit gefasstes Gesetz aus der Zeit nach dem Putsch zur Bestrafung von Opposition und Dissens, sowie das weitreichende Anti-Terror-Gesetz. Mehrere Frauen gaben an, sie seien rechtswidrig als Geiseln festgehalten worden, weil Freund*innen oder Verwandte sich ihrer Verhaftung entzogen hatten.
Frauen berichteten, dass sie bei Verhören oder als Strafe gefoltert und misshandelt wurden; diese Verhöre konnten sich über Monate hinziehen. Die Gefängnisbehörden schlugen sie mit Stöcken, Ketten, Metallrohren und Steinschleudern. Weiterhin wurden sie mit Elektroschocks, sexueller Gewalt, Zigarettenverbrennungen, lang andauernden Stresspositionen sowie wochen- oder monatelanger Einzelhaft gequält. Die meisten gaben an, sexuelle Demütigungen oder Übergriffe erlebt zu haben, darunter invasive Leibesvisitationen, die in einer Weise und mit einer Häufigkeit durchgeführt wurden, die eher auf eine Absicht zur Demütigung als auf einen legitimen Sicherheitszweck hindeuteten.
Eine 26-jährige Aktivistin, die zum Zeitpunkt ihrer Festnahme im Jahr 2024 schwanger war, wurde über einen Monat lang verhört. Ihr Ehemann berichtete: „Sie haben ihr wegen der Schwangerschaft gedroht und sie aufgefordert, ihnen Informationen über mich und ihre Kollegen [in der Opposition] zu geben. Sie drohten ihr: ‚Wenn du uns die Informationen nicht gibst, schlagen wir dir in den Bauch.‘“
Nach Angaben der Assistance Association for Political Prisoners sind seit dem Putsch mehr als 2.300 Männer und Frauen in Haft gestorben. Myanmar Prison Witness hat zwischen dem 1. Februar 2021 und dem 16. September 2026 290 Todesfälle von politischen Gefangenen dokumentiert, darunter 43 Frauen und deren Kinder.
„Unser Leben im Gefängnis ist eine A4-Seite Papier wert“ erklärte ein ehemaliger politischer Gefangener und bezog sich dabei auf die Bescheinigung, die Angehörige unterzeichnen müssen, wenn sie über einen Todesfall in Haft informiert werden. Die Leichen würden den Angehörigen nicht zurückgegeben, sagte er, und Human Rights Watch sind keine dementsprechenden Ermittlungen oder Rechenschaftsmaßnahmen bekannt. In einigen Fällen wurden die Angehörigen nicht einmal informiert.
Ehemalige Gefangene gaben an, dass die Gefängnisbehörden den Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung bei schweren chronischen und akuten Erkrankungen systematisch verwehren. Die Behandlung erfolgt äußerst willkürlich und ist mit monatelangen Wartezeiten, Bestechungsgeldern an das Gefängnispersonal sowie Zahlungen von außen für Medikamente und medizinische Versorgung verbunden.
„Wenn man krank wird, gibt es keine Medikamente, also muss man es einfach aushalten“, sagte eine Frau, die drei Jahre im Gefängnis war. „Kleinigkeiten entwickeln sich unnötigerweise zu ernsten medizinischen Angelegenheiten.“
Frauen sagten, dass die medizinische Vernachlässigung durch einen fast vollständigen Mangel an spezialisierten Angeboten für ihre sexuellen und reproduktiven Gesundheitsbedürfnisse noch verschärft werde. Schwangeren Frauen wird der Zugang zu notwendiger Schwangerschaftsvorsorge, geburtshilflicher Betreuung und Nachsorge verwehrt, und sie sind möglicherweise Misshandlungen ausgesetzt, die ihre Gesundheit, ihr Leben und ihre Schwangerschaft gefährden könnten.
Eine Frau, die 2021 im dritten Schwangerschaftsmonat festgenommen wurde, erklärte, ihre Verhörer – die wussten, dass sie schwanger war – hätten ihr Elektroschocks und Schläge zugefügt, wodurch sie chronische Schmerzen davongetragen habe. Sie wurde zusammen mit neun weiteren schwangeren Insassinnen in einem Lagerraum festgehalten, wo sie auf einem Betonboden inmitten von gebrauchten medizinischen Masken und Schutzkitteln schliefen.
„Da es keinen Ultraschall gab, ließ sich der Geburtstermin nicht abschätzen“, sagte sie. „Um Mitternacht platzte meine Fruchtblase, aber das Überweisungsschreiben [des Krankenhauses] kam erst um 10 Uhr morgens an … Gleich nach der Entbindung wurden mir wieder Ketten an die Füße gelegt.“
Manche Frauen müssen aufgrund der fehlenden Notfallversorgung in ihren Zellen entbinden, was laut Aussagen ehemaliger Häftlinge zu Totgeburten sowie zum Tod von Müttern und Säuglingen führte.
Die Frauen berichteten zudem von Überbelegung und unhygienischen Bedingungen, die ihr Leben und ihre Gesundheit gefährdeten. Nach ihrer Entlassung gaben einige dieser Frauen an, unter Depressionen, Hypervigilanz, Isolation und Selbstmordgedanken zu leiden.
Myanmar ist Vertragspartei mehrerer zentraler internationaler Menschenrechtsabkommen, die sich mit der Behandlung von Inhaftierten befassen, darunter das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, das Übereinkommen über die Rechte des Kindes und das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.
Nach dem Völkervertragsrecht und dem Völkergewohnheitsrecht sind die Behörden von Myanmar verpflichtet, für das Wohlergehen der inhaftierten Personen zu sorgen, wozu auch die Verpflichtung gehört, deren Recht auf Leben, Gesundheit, Sicherheit, Würde und Schutz zu gewährleisten. Darüber hinaus darf niemand grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung ausgesetzt werden.
In den UN-Mindestgrundsätzen für die Behandlung von Gefangenen (den Nelson-Mandela-Regeln) heißt es, dass „die Gesundheitsversorgung von Gefangenen in der Verantwortung des Staates liegt“ und dass die notwendige medizinische Versorgung kostenlos zu gewährleisten ist. Die Regeln sehen vor, dass alle Haftanstalten einen unverzüglichen Zugang zu medizinischer Versorgung sowie die Bereitstellung von Einrichtungen für die vor- und nachgeburtliche Betreuung und Behandlung gewährleisten müssen, einschließlich der Vorkehrungen für eine Entbindung im Krankenhaus.
Die UN-Regeln für die Behandlung weiblicher Gefangener und für nicht freiheitsentziehende Maßnahmen für weibliche Straftäterinnen (die Bangkok-Regeln) sehen zusätzliche Schutzmaßnahmen für weibliche Gefangene vor, darunter geschlechtsspezifische Gesundheitsdienste, die mindestens denen entsprechen, die in der Gesellschaft allgemein verfügbar sind, sowie Schutzmaßnahmen für Mütter und Kinder.
Betroffene Regierungen sollten gezielte Wirtschafts- und Reisesanktionen gegen hochrangige Vertreter der Junta verhängen, um diese unter Druck zu setzen, alle willkürlich festgehaltenen und inhaftierten Personen, darunter Aung San Suu Kyi, bedingungslos freizulassen, Folter und andere Misshandlungen in Haft unverzüglich zu beenden und unparteiischen internationalen humanitären Organisationen uneingeschränkten Zugang zu allen Inhaftierten zu gewähren. Geber sollten lokale Gruppen unterstützen, die derzeitigen und ehemaligen politischen weiblichen Gefangenen rechtliche, medizinische, psychosoziale und berufsbezogene Hilfe leisten, sowie die Umsiedlungsmöglichkeiten für besonders schutzbedürftige Menschen verbessern.
„Regierungen sollten jede Gelegenheit nutzen, die Junta zur Freilassung aller politischen Gefangenen, einschließlich der inhaftierten Frauen, zu drängen“, sagte Lau. „Indem mehr Aufmerksamkeit auf die Notlage der inhaftierten Frauen gerichtet wird, wird der Junta deutlich gemacht, dass sie ihre grausame Behandlung nicht hinter Gefängnismauern verbergen kann. Die Tausenden zu Unrecht inhaftierten Frauen sind nicht vergessen.”