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Die katholische Kirche Xishiku in Peking, China, 9. Mai 2025. © 2025 Andy Wong/AP Photo
  • Zehn Jahre nach Beginn von Präsident Xi Jinpings Kampagne zur „Sinisierung“ der Religion sehen sich katholische Gemeinden in ganz China einer verschärften ideologischen Kontrolle, strenger Überwachung und Reisebeschränkungen ausgesetzt.
  • Das Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und China aus dem Jahr 2018 über die Bischofsernennung hat der chinesischen Regierung dabei geholfen, Druck auf nichtstaatlich registrierte katholische Gemeinden auszuüben, sich der offiziellen Kirche anzuschließen.
  • Der Heilige Stuhl und andere Regierungen sollten Peking dazu drängen, die Verfolgung katholischer Gemeinden zu beenden und das Recht auf Religionsfreiheit für alle Katholik*innen und Angehörige anderer Glaubensrichtungen zu achten.

(New York, 15. April 2026) – Die chinesischen Behörden verstärken den Druck auf nichtstaatlich registrierte katholische Gemeinden, sich der staatlich kontrollierten offiziellen Kirche anzuschließen, teilte Human Rights Watch heute mit. In den letzten Jahren hat die chinesische Regierung die ideologische Kontrolle, die Überwachung und die Reisebeschränkungen für die schätzungsweise 12 Millionen Katholik*innen des Landes verschärft.

Unter Präsident Xi Jinpings Kampagne zur „Sinisierung“ der Religion, die vor einem Jahrzehnt im April 2016 begann, wird von Gotteshäusern und religiösen Lehren erwartet, dass sie die han-zentrierte chinesische Kultur und die Ideologie der Kommunistischen Partei Chinas widerspiegeln. Das vorläufige Abkommen von 2018 zwischen dem Heiligen Stuhl und China über die Ernennung von Bischöfen, das einen jahrzehntelangen Streit über die Ernennung von Bischöfen in China beendete, hat die Unterdrückung der Katholik*innen in China begünstigt.

„Zehn Jahre nach Beginn von Xi Jinpings Kampagne zur sogenannten Sinisierung der Religion und fast acht Jahre nach dem Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und China aus dem Jahr 2018 sehen sich Katholik*innen in China einer zunehmend verschärften Repression ausgesetzt, die ihre Religionsfreiheit verletzt“, sagte Yalkun Uluyol, China‑Experte bei Human Rights Watch. „Papst Leo XIV. sollte das Abkommen dringend überprüfen und die chinesische Regierung nachdrücklich dazu auffordern, die Verfolgung und Einschüchterung nichtstaatlich registrierter katholischer Gemeinden sowie von Geistlichen und Gläubigen zu beenden.“

Die chinesische Regierung verweigert unabhängigen Forscher*innen die Einreise nach China und bestraft Personen, die mit ausländischen Medien oder Menschenrechtsorganisationen sprechen. Human Rights Watch sprach mit neun Personen außerhalb des Landes, die aus erster Hand über das Leben der Katholik*innen in China berichten konnten, sowie mit Expert*innen für Religionsfreiheit und den Katholizismus in China. Human Rights Watch wertete zudem Regierungsdokumente und Artikel aus der staatlichen chinesischen Presse aus.

Am 7. April 2026 übermittelte Human Rights Watch eine Zusammenfassung der Ergebnisse und bat die chinesische Regierung sowie den Heiligen Stuhl um Stellungnahme. Bislang liegt keine Antwort vor.

Die chinesische Regierung schränkt seit langem die Religionsfreiheit der Katholik*innen im Land ein. Diese dürfen ihren Glauben nur in offiziellen Kirchen unter der Aufsicht der staatlich geführten Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung ausüben. Am stärksten betroffen sind die nichtstaatlich registrierten katholischen Gemeinden, die sich weigern, der Kommunistischen Partei Chinas die Loyalität zu schwören. Zwar gibt es religiöse Verfolgung in China schon seit langem, doch hat sich das Klima seit dem Amtsantritt von Präsident Xi im November 2012 zunehmend verschärft.

Gemäß dem Vatikan-China Abkommen aus dem Jahr 2018 schlägt Peking Kandidaten für das Bischofsamt vor, gegen die der Papst sein Veto einlegen kann, wenngleich der vollständige Wortlaut des Abkommens nie veröffentlicht wurde. Das Abkommen wurde dreimal verlängert und gilt nun bis Oktober 2028, doch kein Papst hat sein Veto eingelegt, selbst nachdem die chinesische Regierung gegen dessen Bestimmungen verstoßen hatte, indem sie einseitig Bischöfe ernannte. Auch Papst Leo XIV., der seit Mai 2025 im Amt ist, billigte fünf Ernennungen Pekings.

Seit dem Abkommen von 2018 üben die chinesischen Behörden Druck auf die nichtstaatlich registrierten katholischen Gemeinden aus, sich der Patriotischen Vereinigung anzuschließen, indem sie – laut Berichten von Medien und Forschungsorganisationen – katholische Untergrundbischöfe und Priester willkürlich festnehmen, gewaltsam verschwinden lassen, foltern und unter Hausarrest stellen.

Die Befragten gaben an, dass das Abkommen von 2018 den Behörden einen übergreifenden Rahmen bot, um Druck auf die nichtsaatlich registrierten Katholik*innen auszuüben. Es habe ihnen „keine andere Wahl gelassen, als sich der offiziellen Kirche anzuschließen“, sagte eine Person, deren Kirche abgerissen, deren Kreuz entfernt und deren Mitglieder bedroht und verhaftet wurden. Eine andere Person sagte, das Abkommen habe sich als „intelligente Waffe zur legalen Zerschlagung von Untergrundkirchen“ erwiesen, da hochrangige Untergrundbischöfe, die jahrelang verfolgt worden waren, verstorben seien oder durch offiziell ernannte Bischöfe ersetzt worden seien.

Einige im Untergrund lebende Katholik*innen sagten, sie fühlten sich vom Vatikan betrogen. Zwar seien „die Mitglieder dieser Gemeinden an die Verfolgung durch die [chinesische] Regierung gewöhnt“, so ein Experte, der Dutzende von Katholik*innen in China befragt hat, doch seit 2018 „haben sie das Gefühl, dass auch der Vatikan hinter ihnen her ist“.

Ein im Ausland lebender Priester sagte: „Viele Untergrundbischöfe sind alt, und sie [der Vatikan und Peking] ernennen keine neuen Untergrundbischöfe. Diese Gemeinden mögen mit ihren Priestern noch eine Weile überleben, aber auf lange Sicht werden die Untergrundkatholiken [in China] verschwunden sein.“

Im Dezember 2025 verabschiedeten die Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung und die Chinesische Katholische Bischofskonferenz offiziell die „Vorläufigen Vorschriften zur einheitlichen Verwaltung von Ein- und Ausreisedokumenten für katholische Geistliche“, wonach alle katholischen Geistlichen verpflichtet sind, ihre Reisedokumente bei den zuständigen Behörden einzureichen, wodurch ihre Reisen außerhalb des Festlandes – auch aus persönlichen Gründen – einer staatlichen Genehmigung unterliegen. Die Behörden schränken zudem die Ausübung religiöser Aktivitäten von ausländischen Staatsangehörigen in China ein.

Die Menschenrechtsverletzungen der chinesischen Regierung gegenüber der katholischen Bevölkerung verstoßen gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und verletzen unter anderem das Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Vereinigungsrecht und das Recht auf Freizügigkeit, so Human Rights Watch.

„Der Heilige Stuhl und die betroffenen Regierungen sollten Peking entschieden dazu auffordern, die Religionsfreiheit aller Katholik*innen und anderer Glaubensgemeinschaften in China zu achten“, sagte Uluyol. „Die chinesische Regierung muss die Verfolgung und Einschüchterung von Gläubigen beenden, die ihren Glauben und ihre Spiritualität außerhalb der Kontrolle der Kommunistischen Partei praktizieren.“

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