Geschichte

Human Rights Watch wurde 1978 unter dem Namen Helsinki Watch gegründet, um Bürgerrechtsgruppen in den ehemaligen Ostblockstaaten zu unterstützen und die Einhaltung des Helsinki-Abkommens von 1975 zu überwachen. Um Regierungen öffentlich anzuprangern, die die Menschenrechte missachteten, suchte Helsinki Watch den Kontakt zu den Medien und tauschte sich direkt mit politischen Entscheidungsträgern aus. Die Organisation rückte die Menschenrechtsverletzungen in der Sowjetunion und Osteuropa ins Bewusstsein der internationalen Öffentlichkeit und trug so zu den demokratischen Umwälzungen Ende der 1980er Jahre bei.

Americas Watch wurde im Jahr 1981 zu einem Zeitpunkt ins Leben gerufen, als in Zentralamerika blutige Bürgerkriege tobten. Aufgrund der Ergebnisse umfangreicher Untersuchungen vor Ort setzte sich Americas Watch nicht nur mit Menschenrechtsverletzungen von Regierungstruppen auseinander, sondern untersuchte - unter Berufung auf das humanitäre Völkerrecht - auch Kriegsverbrechen von Rebellengruppen und brachte diese an die Öffentlichkeit. Zudem kritisierte Americas Watch auch jene Regierungen, insbesondere die US-Regierung, die autoritäre Regime militärisch und politisch unterstützten.

In den 1980er Jahren schlossen sich innerhalb kurzer Zeit Asia Watch (1985), Africa Watch (1988) und Middle East Watch (1989) den so genannten „The Watch Committees" an. Den Namen Human Rights Watch nahm die Organisation offiziell im Jahr 1988 an.

Neue Herausforderungen im Bereich der Menschenrechte führten in den 1990er Jahren zu bedeutenden Veränderungen in der Arbeit von Human Rights Watch. In der Berichterstattung über den Golfkrieg von 1991 wurden zum ersten Mal Verstöße gegen das Kriegsrecht bei Luftangriffen dokumentiert. Human Rights Watch erweitertete die Lobby- und Advocacyarbeit gezielt auf die Vereinten Nationen und Institutionen wie die Europäische Union. Die „ethnischen Säuberungen" auf dem Balkan und der Genozid in Ruanda verlangten nach unmittelbarer Berichterstattung über die Gräueltaten. Gleichzeitig erforderten sie aber auch die minuziöse Dokumentation einzelner Fälle, um eine Strafverfolgung auf internationaler Ebene zu forcieren. Dies wurde in den 1990er Jahren erstmalig möglich. Human Rights Watch hat die internationalen Strafgerichtshöfe für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda unterstützt, aber auch kritisch hinterfragt, forderte die strafrechtliche Verfolgung von Diktatoren wie Augusto Pinochet aus Chile und Hissène Habré aus dem Tschad und spielte eine bedeutende Rolle bei der Ausarbeitung des Römischen Statuts zur Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs.

Gleichzeitig intensivierte und erweiterte Human Rights Watch seine Arbeit zu den Bereichen Frauen- und Kinderrechte, Flüchtlinge und Wanderarbeiter und beleuchtete Themen wie häusliche Gewalt, Menschenhandel Vergewaltigung als Kriegsverbrechen und den Einsatz von Kindersoldaten verstärkt aus menschenrechtlicher Perspektive. Die Organisation fand neue Wege, um Menschenrechtsverletzungen in Gesellschaften wie Saudi-Arabien und Nordkorea zu untersuchen, und half dabei, Themen wie die Rechte von Schwulen und Lesben, die zuvor ignoriert wurden, ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Human Rights Watch untersuchte den internationalen Waffenhandel und die Rolle von Unternehmen bei der Achtung der Menschenrechte und legte wegweisende Berichte zu Menschenrechtsverletzungen z.B. in der Öl-, Gold- und fleischverarbeitenden Industrie vor.

Human Rights Watch erhielt 1997 als eines der Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen den Friedensnobelpreis und spielte eine führende Rolle bei der Umsetzung des Abkommens zum Verbot von Streumunition von 2008.

Das 21. Jahrhundert stellt uns vor neue Herausforderungen. Die Anschläge vom 11. September 2001 und ihre Folgen haben deutlich gemacht, dass wir neue Sanktionsmechanismen gegen terroristische Gruppen und deren Anhänger brauchen. Zudem sind jedoch auch wirksame Methoden zur Überwachung von Gesetzen, Maßnahmen und Verfahren im Kampf gegen den Terrorismus nötig, die gegen grundlegende Menschenrechte verstoßen. Die HIV/Aids-Epidemie führte zur Schaffung eines speziellen Human Rights Watch-Programms für Menschenrechte und Gesundheit.

Human Rights Watch arbeitet zunehmend auch zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten, insbesondere in den Bereichen Bildung und Wohnung. Darüber hinaus nutzt Human Rights Watch neben anderen neuen Methoden jetzt auch statistische Forschung, Satellitenaufnahmen und die Datenanalyse von Bombeneinsätzen. Durch die Verknüpfung der klassischen Untersuchungen vor Ort mit dem Einsatz neuer technischer Mittel und innovativer Lobby- und Advocacyarbeit wird Human Rights Watch auch in Zukunft eine der führenden Organisationen zur weltweiten Förderung und Wahrung der Menschenrechte sein.