Bilder von den anhaltenden Schülerprotesten in Frankreich, auf denen schwer bewaffnete Bereitschaftspolizisten Tränengas, Blendgranaten, Schlagstöcke und Gummigeschosse gegen Kinder einsetzen und sie mit grobem Zugriff festhalten, haben im Inland wie international Besorgnis ausgelöst.
Seit dem 21. September gehen Schüler*innen in ganz Frankreich auf die Straße, weil sie über die anhaltende Unterfinanzierung ihrer Bildung durch die Regierung frustriert sind, die zu Lehrkräftemangel, zu großen Klassen und unzureichenden Schulgebäuden geführt hat. Zwar wurden Schulen blockiert und einige Protestierende haben Gewalt angewendet, doch verliefen die Proteste fast ausnahmslos friedlich.
Der Einsatz von Gewalt durch die Polizei als Reaktion auf die Proteste hat bei Kindern zu schweren Verletzungen geführt, darunter ein 15-jähriger Junge, der durch eine explosive Blendgranate der Polizei eine Hand verlor, sowie ein 14-jähriger Junge, dessen Kiefer durch eine aus nächster Nähe abgefeuerte Tränengaskartusche der Polizei zertrümmert wurde. Die Regierung kündigte eine vorübergehende Aussetzung des Einsatzes von Blendgranaten an.
Die Polizei hat seit Beginn der Demonstrationen Berichten zufolge mehr als 6.800 Menschen festgenommen, von denen offenbar 86 Prozent Kinder sind. Die Behörden haben zudem Berichten zufolge 36 interne Ermittlungen wegen mutmaßlichen polizeilichen Fehlverhaltens eingeleitet. Doch interne Überprüfungen in Frankreich führen nur selten zu tatsächlicher Rechenschaft.
Übermäßige Gewaltanwendung der Polizei bei Protesten ist in Frankreich nichts Neues. Human Rights Watch hat schwere, durch die Polizei verursachte Verletzungen während der „Gelbwesten“-Bewegung 2018 dokumentiert. Auch die Proteste gegen die Rentenreform von 2023 und die Umweltdemonstrationen waren von einer solchen Gewaltanwendung geprägt. Die aktuellen Schülerproteste begannen an Schulen in Arbeitervierteln, in denen rassifizierte junge Menschen ständig Schikanen durch die Polizei und staatliche Gewalt erleben und fürchten.
Statt die anhaltenden Probleme mit übermäßiger Polizeigewalt anzugehen, versucht die Regierung, das Recht der Strafverfolgungsbehörden zur Gewaltanwendung zu stärken. Ein seit Anfang 2026 beratener Gesetzentwurf sieht vor, Beamten bei der Nutzung ihrer Schusswaffen eine „Rechtmäßigkeitsvermutung“ einzuräumen. Menschenrechtsgruppen warnen, dass die Änderungen die Schwelle für den Schusswaffengebrauch der Polizei senken und die Polizei vor gerichtlicher Kontrolle abschirmen könnten.
Die französischen Behörden sollten aufhören, friedlich protestierende Kinder als Gefahr zu behandeln, die neutralisiert werden muss. Stattdessen sollte die Regierung ihren Verpflichtungen nachkommen, Kinder und ihr Recht auf Protest zu schützen, und den Forderungen der jungen Menschen auf der Straße Gehör schenken. Um das Vertrauen wiederherzustellen, sollte die Regierung außerdem alle Fälle von Polizeigewalt gründlich und zügig untersuchen, polizeiliche Taktiken beenden und die Befugnisse reformieren, die Polizeigewalt begünstigen.