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Sudan: Staats- und Regierungschefs müssen bei Berliner Konferenz gegen anhaltende Gräueltaten vorgehen

Zum dritten Jahrestag des Konflikts: Zivilbevölkerung schützen, Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Menschen gehen durch einen zerstörten Stadtteil von Omdurman, Sudan, am 25. Mai 2025. © 2025 Carolyn Van Houten/The Washington Post via Getty Images

(Berlin) – Die Staats- und Regierungschefs, die sich am 15. April 2026, dem dritten Jahrestag des andauernden Konflikts im Sudan, in Berlin treffen, sollten sich zu konkreten, fristgebundenen Maßnahmen verpflichten, um die Zivilbevölkerung zu schützen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die für schwere internationale Verbrechen verantwortlich sind, erklärte Human Rights Watch heute.

Deutschland, die Afrikanische Union, Frankreich, die Europäische Union, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten werden in Berlin zusammenkommen, um den Konflikt zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) sowie deren jeweiligen Verbündeten zu beraten. Ende Februar bildeten Irland, Deutschland, die Niederlande, Norwegen und das Vereinigte Königreich eine Koalition zur Prävention von Gräueltaten und zur Förderung der Gerechtigkeit im Sudan. Die Berliner Konferenz bietet die Gelegenheit für eine breitere Beteiligung an der Koalition und diesen Bemühungen.

„Ein weiteres Jahr im Sudan war von schweren Kriegsverbrechen, massenhaften Vertreibungen der Zivilbevölkerung und anhaltenden Waffenlieferungen an missbräuchlich agierende Kriegsparteien geprägt“, sagte Mohamed Osman, Sudan-Experte bei Human Rights Watch. „Die Konferenz in Berlin darf keine weitere Alibiveranstaltung bleiben, sondern muss die internationale Gemeinschaft endlich mobilisieren, um weitere Gräueltaten zu verhindern, Gerechtigkeit voranzubringen und die Zivilbevölkerung – einschließlich lokaler Hilfskräfte – wirksam zu schützen.“

Die Konferenz findet vor dem Hintergrund verheerender Kämpfe in der Region Kordofan und im Bundesstaat Blauer Nil statt. Seit Januar setzen die Konfliktparteien bei Angriffen auf dicht besiedelte Gebiete in großem Umfang Sprengwaffen ein. Diese Angriffe, darunter auch Drohnenangriffe, haben zahlreiche Zivilist*innen getötet und zivile Infrastruktur zerstört.

Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) berichtete, dass am 20. März bei einem Drohnenangriff der sudanesischen Streitkräfte auf ein Krankenhaus in Ost-Darfur 70 Menschen getötet wurden, darunter 15 Kinder. Die Organisation teilte mit, dass die RSF am 2. April einen Drohnenangriff auf ein Krankenhaus im Bundesstaat Weißer Nil durchgeführt habe, bei dem mindestens 10 Menschen getötet wurden, darunter 7 medizinische Hilfskräfte. Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) erklärte im März, dass der Einsatz von Drohnen bei Angriffen im Sudan „die verheerenden Auswirkungen von hochtechnologischen und relativ kostengünstigen Waffen in bevölkerten Gebieten unterstreicht“.

Im Oktober 2025 führte die RSF nach einer 18-monatigen Belagerung der Stadt einen letzten Großangriff auf die Hauptstadt von Nord-Darfur, El Faschir, durch. Eine Untersuchungsmission der Vereinten Nationen stellte fest, dass die Art und Weise, wie die RSF bei der Einnahme der Stadt Angriffe gegen Zivilist*innen in und um die Stadt herum durchführte, die „Merkmale eines Völkermords“ aufwies.

Researcher von Human Rights Watch befragten Überlebende, die von einer Serie von Bombenangriffen berichteten, bei denen zahlreiche Zivilist*innen getötet wurden. Außerdem berichteten sie von großflächigen Massakern in und um die Stadt, massenhaften willkürlichen Inhaftierungen – einschließlich systematischer Entführungen zur Erpressung von Lösegeld – sowie von weit verbreiteten Vergewaltigungen. Trotz wiederholter Warnungen der Zivilgesellschaft vor der Gefahr von Massengräueln versäumten es andere Länder, gegen die Führung der RSF vorzugehen, so Human Rights Watch.

Human Rights Watch hat zudem dokumentiert, dass die sudanesischen Streitkräfte und mit ihnen verbündete Milizen willkürlich Personen festgenommen haben, wobei sie offenbar häufig aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres politischen Hintergrunds oder ihrer lokalen Hilfsarbeit ins Visier genommen wurden. Den Inhaftierten wurden ihre Rechte auf ein ordnungsgemäßes Verfahren verweigert, und sie wurden oftmals gefoltert und anderweitig misshandelt.

Insbesondere die EU sollte auf der Grundlage der im Oktober 2025 verabschiedeten Empfehlungen des Rates „Auswärtige Angelegenheiten“ Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung umsetzen und sich verpflichten, der Koalition zur Prävention von Gräueltaten beizutreten. Die Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union sollten ebenfalls über bloße Erklärungen hinausgehen und sich zu koordiniertem diplomatischem Druck, zur Unterstützung von Überwachungsmechanismen und zu einem nachhaltigen politischen Engagement zum Schutz der Zivilbevölkerung verpflichten.

Die teilnehmenden Länder sollten zudem die Einrichtung eines Mechanismus unterstützen, mit dem Verstöße gegen internationale Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht – einschließlich der anhaltenden Angriffe auf lokale Hilfskräfte – erfasst und geahndet werden können, sowie deren wichtige Arbeit zur Unterstützung der Bevölkerung politisch und finanziell fördern, so Human Rights Watch. 

Die Staaten sollten, unter anderem im Rahmen der neu gegründeten Koalition zur Prävention von Gräueltaten und zur Durchsetzung der Gerechtigkeit, auch konkrete Schritte unternehmen, um auf Rechenschaftspflicht zu drängen. Dazu gehören die uneingeschränkte Unterstützung der laufenden Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Darfur sowie der Druck auf die Konfliktparteien im Sudan, unabhängigen Beobachter*innen und Ermittler*innen uneingeschränkten Zugang zu gewähren. Andere Länder sollten den Sudan dazu drängen, Omar al-Bashir, den ehemaligen Diktator des Landes, sowie andere vom IStGH gesuchte Personen auszuliefern und darauf hinarbeiten, die Zuständigkeit des Gerichtshofs auf das gesamte Land statt nur auf Darfur auszuweiten.

Die beteiligten Länder sollten zudem die Unterstützer der Konfliktparteien, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, öffentlich anprangern und sich zu konkreten Maßnahmen verpflichten, damit diese ihre Unterstützung für die Konfliktparteien einstellen. Sie sollten das bestehende Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Darfur durchsetzen und sich im UN-Sicherheitsrat dafür einsetzen, dass es auf den gesamten Sudan ausgeweitet wird.

„Diese Konferenz darf nicht als Auftakt zu einem weiteren Jahr der Gräueltaten gegen Zivilist*innen im Sudan in Erinnerung bleiben“, sagte Osman. „Die Teilnehmenden müssen konkrete Maßnahmen beschließen und umsetzen: koordinierten politischen Druck, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, entschlossene Schritte zum Schutz der Zivilbevölkerung und Maßnahmen, die zivilgesellschaftliches Engagement überhaupt erst möglich machen.“

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