Palestinians collect the remains of bodies at a school in the Jabaliya refugee camp in Gaza run by the United Nations Relief and Works Agency on July 30, 2014.

@ 2014 Reuters

Am 30. Juli kam eine Schule im Jabalia Flüchtlingslager in Gaza, die vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) betrieben wurde, unter Beschuss. Mindestens 15 Menschen starben und viele andere wurden verletzt, darunter Frauen und Kinder, die dort Schutz suchten. Es war schon die zweite UN-Schule, die innerhalb einer Woche angegriffen wurde. Doch dies waren keinesfalls die ersten Schulen in Gaza, die beschossen wurden, und auch nicht die ersten, in denen Kindern zu den Opfern gehörten.

Angriffe auf Schulen bedrohen nicht nur unmittelbar das Leben von Kindern und Erwachsenen, die dort Schutz suchen. Sie haben zudem eine verheerende Wirkung auf Kinder auch noch viele Jahre nach dem Krieg.

Das israelische Militär sagte, dass Bewaffnete Granaten auf IDF-Soldaten aus der Nachbarschaft der UNRWA-Schule in Jabalia abgeschossen und dass israelische Soldaten dann das Feuer erwidert hätten. UNRWA berichtete, dass das Schulgebäude dreimal getroffen wurde. 3.300 Binnenflüchtlinge hätten dort Schutz gesucht, nachdem das israelische Militär sie aufgefordert hatte, ihre Häuser zu verlassen.   

Am 27. Juli berichtete das israelische Militär, dass seine Einheiten am 24. Juli palästinensische Kämpfer in der Nähe einer UN-Grundschule in Beit Hanoun, im nordöstliche Gazastreifen, mit Granaten beschossen hätten. Eine der Granaten sei in den Schulhof gefallen, in dem sich niemand aufhielt. Nach Medienberichten starben bei dem Angriff jedoch 15 Personen und viele andere wurde verletzt.

Während der Kämpfe im Gazastreifen 2008 und 2009 haben die israelischen Truppen immer wieder UN-Schulen völkerrechtswidrig angegriffen. Dazu gehörten Angriffe mit der Brandmunition weißer Phosphor und mit gelenkten Raketen. Israel zahlte 10.5 Millionen US$ an die Vereinten Nationen für die Schäden, die dadurch an den Gebäuden in Gaza, auch an den Schulen, entstanden sind.  

Bewaffnete Gruppen der Palästinenser haben in Gaza auch den zivilen Charakter von Schulen in Gefahr gebracht. Am 16. Juli fanden Mitarbeiter von UNRWA 20 Raketen, die in einem leeren Gebäude in einer ihrer Schulen gelagert wurden. Das UN-Hilfswerk hat die Verwendung einer ihrer Einrichtungen durch eine unbekannte bewaffnete palästinensische Gruppe verurteilt. Am 22. Juli berichtete UNRWA, dass wieder Raketen gefunden wurden, die in einer ihrer Schulen versteckt waren – die Schule war leer, doch in der Nähe einer anderen Schule, in der vertriebene Palästinenser Schutz suchten. Am 29. Juli meldete das UN-Hilfswerk, dass bei einer Routineinspektion in einer dritten Schule im Zentrum des Gazastreifens Raketen gefunden worden waren. Diese Schule war leer und wurde nicht als Schutzraum verwendet. Israel hat nicht behauptet, dass in den zwei Schulen, die angegriffen wurden, Waffen gelagert worden waren.

Schulen sind zivile Objekte und dürfen nicht angegriffen werden, wenn sie nicht für militärische Zwecke genutzt werden. Gezielte Angriffe gegen Schulen, die keine legitimen militärischen Ziele darstellen, sind Kriegsverbrechen.

Die militärische Nutzung von Schulen – als Stützpunkt, Unterkunft, Feuerposition, Gefängnis oder Waffen- und Munitionslager – kann sie zu legitimen Zielen eines Angriffs werden lassen. Dadurch werden Schüler und Lehrer in große Gefahr gebracht. Der UN-Sicherheitsrat hat kürzlich die internationale Gemeinschaft ermutigt, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Verwendung von Schulen durch bewaffnete Truppen und bewaffnete nicht-staatliche Gruppen zu verhindern, da dies gegen Völkerrecht verstößt.

Beide Seiten in dem aktuellen Konflikt würden gut daran tun, sich die Lucens Guidelines genauer anzusehen. Sie wurden verfasst, um Schüler und Lehrer weltweit vor der Verwendung von Schulen für militärische Zwecke zu schützen. Zudem soll der ausdrückliche Schutz von Schulen in militärischen Doktrinen und Strategien festgeschrieben werden. Die Lucens Guidelines, die in Konsultationen mit Vertretern des Militärs und Völkerrechtsexperten aus aller Welt erstellt wurden, basieren auf bereits bestehenden Verpflichtungen des Kriegsrechts, internationaler Menschenrechtsstandards und Beispielen guter Praxis.

Es wird große Anstrengungen erfordern, um den physischen und psychologischen Schaden zu beheben, unter dem Kinder durch die Angriffe auf die Schulen in Gaza oder durch Angriffe auf Schulen anderswo leiden. Andauernder Friede und Sicherheit ist umso schwieriger zu erreichen, wenn es keine Sicherheit für Schulen und Bildungsmöglichkeiten für alle Kinder in der Region gibt.