(Jakarta, 20. Juni 2005) – Hunderttausende Mädchen, die als Haushaltshilfen arbeiten, werden sexuell missbraucht und ausgebeutet, erklärte Human Rights Watch in einem neuen Bericht. Die indonesische Regierung biete keinen Schutz für diese Mädchen.

Human Rights Watch erklärt in dem 74-seitigen Bericht “Always on Call: Abuse and Exploitation of Child Domestic Workers” (Stets auf Abruf: Missbrauch und Ausbeutung von Kinder-Hausgehilfen), dass indonesische Kinder, manche nur 12 Jahren alt, 14 bis 18 Stunden pro Tag arbeiten müssten, sieben Tage pro Woche und ohne freien Tag. Außerdem dürften sie ihren Arbeitsplatz nicht verlassen und hätten keinen Kontakt zu ihrer Familie.

Human Rights Watch beschreibt wie Mädchen von ihren Arbeitgebern physisch, psychisch und sexuell missbraucht werden. Viele würden weniger als 500 Rupien (4 Euro Cent) pro Stunde verdienen. Mädchen aus armen ländlichen Gebieten würden durch leere Versprechungen von Arbeitsvermittlern, Nachbarn und Verwandten dazu gebracht, solche Jobs anzunehmen. Doch aus den versprochenen hohen Gehältern, der Möglichkeit zum Schulbesuch oder der einfachen Arbeit würde meist nichts.

In Indonesien gebe es schätzungsweise 2,6 Millionen Angestellte in Haushalten, davon seien 688.132 oder 34 Prozent Kinder und der Großteil (640.000) davon Mädchen unter 18 teilte die Menschenrechtsorganisation unter Bezugnahme auf Daten der International Arbeitsorganisation (ILO) mit.

Haushaltsgehilfen in Indonesien fallen nicht unter das Arbeitsrecht. Dies heißt, Bestimmungen wie Mindestlöhne, 8-Stunden-Tag und ein freier Tag pro Woche gelten für sie nicht. Und Verstöße gegen die Regelungen für Kinderarbeit werden von den indonesischen Behörden nicht geahndet.

„Die indonesische Regierung liefert Kinder-Haushaltsgehilfen an die Arbeitgeber aus”, erklärte Sahr MuhammedAlly, Experte für Kinderrechte von Human Rights Watch. „Ohne gesetzlichen Schutz können diese Kinder leicht ausgebeutet und misshandelt werden.”

Viele Indonesier glauben, dass die Arbeit als Hausangestellte für Kinder einen einfachen Weg aus der Armut bedeutet. Doch Kinder sagten gegenüber Human Rights Watch, dass man sie geschlagen und vergewaltigt sowie Essen und Lohn verweigert hätte. Die indonesischen Behörden würden nur selten diesen Missbräuchen nachgehen und stattdessen verleugnen, dass sie überhaupt stattfinden. Von den 44 Haushaltsgehilfen, die von der Menschenrechtsorganisation befragt wurden, hatte nur eine die Erlaubnis ihres Arbeitgebers, die Schule zu besuchen.

„Die indonesische Regierung darf nicht mehr wegschauen, sie muss etwas unternehmen, um Jungen und Mädchen vor dieser schrecklichsten Art der Kinderarbeit zu schützen“, sagte MuhammedAlly.

Human Rights Watch stellte folgende Forderungen an die indonesische Regierung:
• Ausdehnung des Arbeitsrechts auf Haushaltsgehilfen: 8-Stunden-Tag, ein freier Tag pro Woche, Arbeitspausen, Urlaub, schriftlicher Arbeitsvertrag und Mindestlohn.
• Einhaltung und Kontrolle des Mindestarbeitsalters von 15 Jahren.
• Verkürzte Arbeitszeiten für Kinder, so dass sie ihr Recht auf Schulausbildung wahrnehmen können.
• Gemeinsam mit der ILO sollten Maßnahmen erarbeitet werden, um die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu vermeiden.