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Kasachstan: Angriff auf deutschen Journalisten soll untersucht werden

(New York, 24. Januar 2008) – Die kasachischen Behörden sollen den Überfall auf einen deutschen Journalisten am letzten Wochenende untersuchen und die Täter vor Gericht stellen, so Human Rights Watch.

" Es ist schwer zu glauben, dass es sich beim Überfall auf Bensmann um einen Zufall handelt. Zu viele freie Journalisten sind in den letzten Jahren in dieser Region Opfer von Angriffen geworden, und Bensmann war bekannt für seine kritische Berichterstattung über die Regierungen Zentralasiens. "
Holly Cartner, Direktorin der Abteilung Europa und Zentralasien von Human Rights Watch
  

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Marcus Bensmann, ein unabhängiger Journalist, hat mit seiner Berichterstattung aus Zentralasien zahlreiche Menschenrechtsverletzungen aufgedeckt. Er wurde am 20. Januar in der kasachischen Hauptstadt Astana brutal zusammengeschlagen.  
 
Der 38-jährige Deutsche verließ am 20. Januar zwischen 3 und 4 Uhr morgens den Nachtklub „Chocolate“ in Astana, wo er sich zu Recherchen für einen Dokumentarfilm über die kasachische Hauptstadt aufhielt. Etwa drei Stunden später fand ein Passant Bensmann zusammengeschlagen auf der Strasse, ohne Schuhe und Jacke, bei minus 30 Grad Kälte. Bensmann wurde um 8:05 Uhr mit einem Schädelbruch, gebrochenem Kiefer und gebrochenen Rippen sowie Erfrierungen in ein privates Krankenhaus eingeliefert.  
 
„Es ist schwer zu glauben, dass es sich beim Überfall auf Bensmann um einen Zufall handelt”, sagte Holly Cartner, Direktorin der Abteilung Europa und Zentralasien von Human Rights Watch. „Zu viele freie Journalisten sind in den letzten Jahren in dieser Region Opfer von Angriffen geworden, und Bensmann war bekannt für seine kritische Berichterstattung über die Regierungen Zentralasiens.”  
 
Bensmann ist mit der usbekischen Journalistin Galima Bukharbaeva verheiratet. Auch sie ist eine offene und aktive Kritikerin der usbekischen Regierung und unterhält eine Website mit Nachrichten zu Usbekistan. Bensmann und Bukharbaeva waren Augenzeugen des Massakers vom Mai 2005 in der usbekischen Stadt Andischan. Bensmann blieb nach der Niederschlagung der Demonstrationen noch 10 Tage in Andischan, um über die aktuelle Situation und die sofortigen Repressionen gegen lokale Journalisten und Aktivisten der Zivilgesellschaft zu berichten. Er musste das Land schließlich unter Drohungen fluchtartig verlassen. In der Anklageschrift gegen die Verantwortlichen des Aufstandes von Andischan wird Bensmann von den usbekischen Behörden beschuldigt, falsche Informationen verbreitet zu haben.  
 
In den letzten Jahren berichtete Bensmann über die Sanktionen der Europäischen Union gegen Usbekistan, und seine Berichterstattung wurde von zahlreichen Zeitungen, darunter die Tageszeitung und die Neue Zürcher Zeitung, veröffentlicht. Für den deutschen Fernsehkanal ARD arbeitete er an einer Sendung über Usbekistan, die am 31. Januar gesendet wird.  
 
„Kasachstan steht besonders im Rampenlicht, seit dem Land der OSZE-Vorsitz für 2010 zugesprochen wurde”, sagte Cartner. „Die kasachischen Behörden sollen deutlich machen, dass sie das Recht auf freie Meinungsäußerung und den Rechtsstaat ernst nehmen, indem sie den Angriff auf Bensmann gründlich untersuchen und die Täter zur Rechenschaft ziehen.”  
 
Vor drei Monaten wurde Alisher Saipov, auch er Journalist und ein scharfer Kritiker der usbekischen Regierung, in Kirgisien erschossen.

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