Der Präsident des Internationalen Olympischen Komittees (IOC) Thomas Bach während einer Konferenz in Lausanne am 9. Juli 2014.

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(Berlin) – Mehrere Menschenrechtsorganisationen fordern den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Vorfeld der IOC-Mitgliederversammlung nächste Woche dazu auf, bei den geplanten neuen Standards für die Olympischen Spiele dem Schutz der Menschenrechte, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und der Korruptionsprävention eine hohe Bedeutung beizumessen und zur Grundlage von Sport-Großveranstaltungen zu machen.

Am 8./9. Dezember treffen sich die IOC-Mitglieder, um über die Olympische Agenda 2020 abzustimmen. Laut IOC soll die Agenda strategische Grundlage für die Zukunft der Olympischen Bewegung werden. Die Empfehlungen umfassen Maßnahmen gegen Diskriminierung, Standards für Arbeitsbedingungen sowie Vorschläge für mehr Transparenz und zu „Good Governance“. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstreichen in ihrem Brief die Bedeutung der Beachtung der universellen, fundamentalen Prinzipien der Olympischen Charta zur Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen und fehlender Transparenz bei Sport-Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen.

Sie fordern, Sport-Großveranstaltungen so zu organisieren, dass Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Kindern und der Beschäftigten, sowie Erfordernisse des Umweltschutzes und der Korruptionsprävention von der Bewerbungsphase über die Vorbereitung bis zur Durchführung und abschließenden Berichterstattung beachtet werden.

„Sport hat großen Einfluss und kann ein wichtiger Faktor für positiven Wandel sein. Aber es sieht so aus, als hätten wichtige Sportorganisationen die Ideale, die bei ihrer Gründung Pate standen, aus den Augen verloren. Die Olympische Agenda 2020 des IOC bringt die Chance, das zu ändern", so Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland. "Wenn das IOC sein eigenes Handeln neu ausrichtet, hilft das nicht nur den eigenen Veranstaltungen, nicht mit Korruption, Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht zu werden. Es wird auch andere Internationale Sportverbände veranlassen, ebenfalls Veränderungen einzuleiten.“

Unter anderem haben die Behandlung von Arbeitern beim Infrastrukturausbau für die Fußball Weltmeisterschaft 2022 in Katar, Polizeigewalt und Zwangsenteignungen in Brasilien vor der diesjährigen FIFA Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 sowie Korruptionsvorwürfe in internationalen und nationalen Sportorganisationen zu weltweiter Empörung geführt.

Zu den Unterzeichnern des Briefes an IOC-Präsident Dr. Thomas Bach gehören:
Amnesty International, FIFPro – World Players’ Union, Football Supporters Europe, Human Rights Watch, International Trade Union Confederation, Supporters Direct Europe, Terre des Hommes International Federation und Transparency International Deutschland e.V.