Nordafrikanische Migranten an Bord eines Bootes der Küstenwache, bei der Ankunft auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa, 8. Juli 2013.

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Es ist Hochsaison für die Überquerung des Mittelmeers. Und der Tod auf hoher See bleibt ständiger Begleiter der Flüchtlingsboote. Die erschütternde Nachricht, dass gestern erneut 31 Menschen bei der Überfahrt von Libyen auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa ertranken, führte dies einmal mehr vor Augen. Jahr für Jahr drängen sich tausende Menschen auf klapprige und überfüllte Boote, um von Nordafrika nach Europa überzusetzen und der Verfolgung in ihrem Herkunftsland zu entrinnen oder einfach nur ein besseres Leben zu suchen.

Gewiss, Italien und Malta kooperieren mittlerweile besser bei der Rettung Schiffbrüchiger. Doch die EU könnte weitaus mehr tun, um Leben zu retten. Sie könnte für mehr Koordiation sorgen und in ihr neues Grenzkontrollprogramm auch die ausdrückliche Verpflichtung aufnehmen, Menschen, die auf hoher See in Not geraten, zu helfen.

Die Frage bleibt – angesichts des dramatischen Anstiegs der Bootsmigration – dringlich. Seit Januar haben 8.500 Menschen Italien und Malta auf Booten erreicht, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 4.500. Zwar geht die Zahl der Todesfälle offenbar zurück – den bislang 100 Toten in diesem Jahr stehen 500 im Gesamtjahr 2012 gegenüber – doch jede einzelne dieser Tragödien lastet schwer auf Europas Gewissen, wie Papst Franziskus bei seiner Messe zum Gedenken der getöteten Flüchtlinge auf Lampedusa zurecht bemerkte.