(New York, 1. Dezember 2005) – Die Vereinigten Staaten halten mindestens 26 Personen an unbekannten Orten außerhalb der USA fest, erklärte Human Rights Watch. Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte heute eine Liste mit den Namen dieser sogenannten "Geister-Gefangenen", die sich auf unbeschränkte Zeit, ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne Rechtsanspruch in Haft befinden.

Viele der "Geister-Gefangenen" werden verdächtigt, an schweren Verbrechen beteiligt gewesen zu sein, unter anderen an den Anschlägen vom 11. September 2001, den Bombenattentaten auf die Botschaften in Kenia und Tansania sowie an der Explosion in einen Nachtclub im Jahr 2002 auf Bali. Gegen einen der Häftlinge wurde wegen seiner Beteiligung an den Bombenanschlägen auf die Botschaften Anklage vor einem US-Bundesgericht erhoben. Aber keiner der anderen Gefangenen wurde eines Verbrechens angeklagt. Angehörige der amerikanischen Regierung, die lieber ungenannt bleiben wollen, erklärten gegenüber Journalisten, dass einige der Geister-Gefangenen in der Haft gefoltert oder schwer missbraucht worden seien.

"Präsident Bush spricht immer davon, dass er Terroristen vor Gericht bringen will, doch keiner dieser Verdächtigen wurde vor Gericht gebracht", erklärte John Sifton, Terrorism und Counterterrorism Researcher von Human Rights Watch. "Indem Verdächtige illegal festgehalten und angeblich sogar misshandelt werden, verhindert die US-Regierung, dass vermutliche Terroristen strafrechtlich verfolgt werden."

Gefangenschaft auf unbestimmte Zeit und ohne Kontakt zur Außenwelt ist laut internationalen Menschenrechts- und Kriegsgesetzen untersagt. Für die Misshandlung von Gefangenen könnten Angehörige der US-Regierung zur Verantwortung gezogen werden.