Human Rights Watch hat große Besorgnis um das körperliche Wohlbefinden von Akbar Ganji ausgedrückt. Die Menschenrechtsorganisation appellierte an die Regierung in Teheran, den inhaftierten iranischen Journalisten sofort und ohne weitere Auflagen freizulassen.

Human Rights Watch meinte, dass die iranische Regierung dafür verantwortlich sei, sollte dem Journalisten etwas zustoßen. Ganji ist seit April 2000 in Haft. "Ganji befindet sich in einer äußert misslichen Lage", sagte Joe Stork, stellvertretender Leiter der Abteilung für den Nahen Osten bei Human Rights Watch. "Die Behörden üben einen immensen Druck auf ihn aus, um zu erreichen, dass er seine schriftlichen Beiträge widerruft."

Ganji ist seit 3. September dieses Jahres in Einzelhaft in einem Trakt des Evin-Gefängnisses, der "Alef-2" genannt wird. Die Behörden haben bisher nur seiner Frau und einem seiner Anwälte einen kurzen Besuch gestattet. Das war am 18. Oktober. Danach veröffentlichte seine Frau einen Brief von Ganji, in dem er schreibt, dass Wachebeamte ihn misshandeln.

Ganji wurde im Juli 2001 für seine Kritik an der Regierung zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, dass er der "nationalen Sicherheit" schade und "Propaganda" verbreite. Er hatte davor eine Artikelserie veröffentlicht, in der er behauptet, dass hochrangige Regierungsmitglieder 1998 in die Mordserie an Autoren und Intellektuellen involviert wären. Ganji schrieb auch das "Republikanische Manifest", eine Kritik an Irans Regierungssystem.

Darüber hinaus wurde am 30. Juli einer von Ganjis Anwälten, Abdolfattah Soltani, verhaftet. Er befindet sich seit diesem Zeitpunkt ohne Urteil im Gefängnis und ist die meiste Zeit in Einzelhaft. Seine Anwälte haben bisher keine Erlaubnis bekommen, ihn zu besuchen. Soltani ist auch Mitbegründer des Zirkels für Menschenrechtsanwälte, eine unabhängige Organisation in Teheran. "Soltanis Verhaftung soll anscheinend eine Warnung für andere Anwälte und Bürgerrechtler sein", so Stork. "Die iranische Regierung versucht ganz offenbar Menschenrechtsorganisationen einzuschüchtern."

Human Rights Watch appellierte an den Vorsitzenden der iranischen Justiz, Ayatollah Mahmoud Shahrudi, Ganji und Soltani sofort freizulassen.