Sowohl Kuba als auch die Vereinigten Staaten haben zu restriktive Einreisebestimmungen, die dazu führen, dass kubanische Familien getrennt werden,

Die Untersuchung der Menschenrechtsorganisation stützt sich auf Gespräche mit Dutzenden Kubanern und Amerikanern kubanischer Herkunft und dokumentiert die durch die Gesetzeslage verursachten menschlichen Tragödien. Der Bericht schildert, wie kleine Kinder, von ihren Eltern weggeholt wurden, und Fälle von in den USA lebenden Kubanern, die sich nicht um ihre sterbenskranken Verwandten in Kuba kümmern konnten.

"Die Einreisebeschränkungen von Kuba und den USA missachten das Wohl der Familien", erklärte Miguel Vivanco, Leiter der Abteilung für Südamerika von Human Rights Watch. "Beide Länder schränken die Bewegungsfreiheit von Menschen ein. Und alles nur, um eine Politik voranzutreiben, die letztendlich zu nichts führt."

Laut dem 69-seitigen Bericht "Apart: The High Cost of U.S. and Cuban Travel Restrictions" (Getrennt: Die hohen Kosten der amerikanischen und kubanischen Reisebeschränkungen) schränken beide Staaten das international anerkannte Recht auf Bewegungsfreiheit ein, das besagt, dass man immer wieder zurück in sein Herkunftsland kann. In Fällen, wo man Kinder von ihren Eltern trennt, werde auch das internationale Verbot von unfreiwilligen Familientrennungen verletzt.

Laut dem Bericht der Menschenrechtsorganisation verweigert Kuba seinen Bürgern regelmäßig, das Land zu verlassen. Wer trotzdem ausreist, darf nicht zurück. Die Personen, die eine Ausreisegenehmigung bekommen, können meist ihre Kinder nicht mitnehmen – damit soll verhindert werden, dass sie im Ausland bleiben. Durch diese Reisebeschränkungen wolle Kuba Abtrünnige bestrafen und Kritiker zum Schweigen bringen, so Human Rights Watch.

Die wahren Auswirkungen der Reisebeschränkungen – die menschlichen Tragödien – sind schwer zu erfassen. Der Bericht schildert die Leidensgeschichte eines kubanischen Physikers, der derzeit in Brasilien lebt und seinen sechsjährigen Sohn noch nie gesehen hat. Seine Ex-Frau lebt mit ihrem gemeinsamen Kind in Kuba. Da er aber von einer erlaubten Auslandsreise nicht zurückkehrte, verweigern ihm die kubanischen Behörden die Einreise.

Human Rights Watch kritisiert auch die Vereinigten Staaten und die Auswirkungen der Reisebeschränkungen, die seit Juni 2004 in Kraft sind. Laut den neuen Bestimmungen dürfen in den USA lebende Kubaner und Amerikaner mit kubanischer Abstammung nur einmal in drei Jahren ihre Familie in Kuba besuchen. Die Definition von Familie wird dabei sehr eng gehalten. Onkeln, Tanten, Neffen und Nichten sind bereits ausgeschlossen. Der Bericht bringt das Beispiel einer Kubanerin, die in Miami lebt, und ihren kranken Vater nicht mehr besuchen durfte, der an Alzheimer litt und keine nahen Verwandten in Kuba hatte. Selbst als er depressiv wurde, nicht mehr essen konnte und bald darauf im Sterben lag, konnte sie nicht bei ihm sein. Auch ein US-Unteroffizier, der im Irak stationiert ist, bekam keine Erlaubnis, um während eines zweiwöchigen Fronturlaubs seine beiden Söhne in Kuba zu besuchen.

"Seit Jahrzehnten verweigert Kuba seinen Einwohnern grundlegende Bürgerrechte", sagte Vivanco. "Doch anstatt Freiheiten in unserem Nachbarland zu fördern, hat die Regierung Bush den Hundertausenden Kubanern, die in den USA leben, ebenfalls ein Reiseverbot auferlegt."

Human Rights Watch appellierte an die kubanische Regierung die Reisebeschränkungen zu beseitigen, die das Recht auf Bewegungsfreiheit verletzen. Darüber hinaus forderte die Menschenrechtsorganisation, dass Havanna alle Gesetze aufhebt, die dazu führen, dass Familien getrennt werden.

Gleichzeitig forderte Human Rights Watch die US-Regierung dazu auf, die restriktiven Bestimmungen aufzuheben, die vorschreiben, wie oft Kubaner und US-Bürger mit kubanischer Abstammung Kuba besuchen dürfen. So lange die Reisebeschränkungen nicht beseitigt sind, sollten die Vereinigten Staaten zumindest Ausnahmegenehmigungen für Krankheits- und andere Notfälle erteilen, so die Menschenrechtsorganisation.