(New York) - Die sudanesische Regierung ist verantwortlich für „ethnische Säuberung" und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der westlichen Region von Darfur, berichtete Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Der UNO-Sicherheitsrat, der heute über die Lage in Darfur informiert wird, sollte die geeigneten Maßnahmen treffen, um die ethnischen Säuberungen zu beenden und die Voraussetzungen für eine sichere Rückkehr der mehr als eine Million bereits vertriebener Menschen schaffen.

Human Rights Watch forderte den Sicherheitsrat auf, das Verhalten der sudanesischen Regierung aufs Schärfste zu verurteilen und von ihr zu verlangen, dass sie die arabischen Milizen entwaffnet, auflöst und deren Rückzug anordnet. Diese Milizen, häufig in Verbindung mit den Regierungstruppen, sind verantwortlich für die ethnischen Säuberungen. Zwei kürzlich aus Darfur zurückgekehrte UN-Delegationen werden heute dem Sicherheitsrat über die Menschenrechtslage und die humanitären Konsequenzen des Konfliktes Bericht erstatten.  

Der 77-seitige Bericht von Human Rights Watch: „Darfur Destroyed: Ethnic Cleansing by Government and Militia Forces in Western Sudan", dokumentiert, wie sudanesische Regierungstruppen die Massaker, willkürliche Hinrichtungen, Niederbrennen von Dörfern und Städten überwachten und daran auch direkt beteiligt waren. Ferner, wie sie die ethnischen Gruppen der Fur, Masalit und Zaghawa gewaltsam aus weiten, lange von ihnen bewohnten Landstrichen vertrieben.  

„Es gibt kein Zweifel daran, dass sich die sudanesische Regierung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur schuldig gemacht hat", sagte Peter Takirambudde, Direktor der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch. „Der UNO-Sicherheitsrat darf die brutalen Fakten nicht ignorieren."

Der Bericht von Human Rights Watch dokumentiert auch, wie arabische Janjaweed-Milizen, deren Mitglieder Muslime sind, Moscheen zerstörten, Muslime und religiöse Führer töteten und religiöse Schriften, die ihren Feinden gehörten, entweihten.  

Mitarbeiter von Human Rights Watch verbrachten 25 Tage im westlichen Darfur und dokumentierten die Menschenrechtsverletzungen in diesen ländlichen Gebieten, die zuvor von den Masalit und Fur Stämmen bewohnt waren. Seit August wurden weite Landstriche ihrer Heimat, unter ihnen die fruchtbarsten der Region, abgebrannt und entvölkert. Mit wenigen Ausnahmen sind die ursprünglichen Bewohner der Region, die Masalit und Fur, vollständig vertrieben.  

Dörfer wurden systematisch in Brand gesteckt - häufig zweimal. Vieh, Lebensmittelgeschäfte, Brunnen und Pumpen, Decken und Kleidung wurden entweder geplündert oder zerstört.  

Die Belagerung der niedergebrannten und verlassenen Dörfern durch unkontrollierbare Janjaweed hat die Zivilisten in Flüchtlingslager oder Siedlungen außerhalb der großen Städte getrieben. Doch der Bericht von Human Rights Watch zeigt, wie die Janjaweed sogar in diesen Lagern ungestraft töten, vergewaltigen und plündern. Manchmal stehlen sie die wenigen Hilfsgüter, die die vertriebene Bevölkerung erreichen.  

Monatelang hat die sudanesische Regierung den Zugang internationaler Medien in Darfur stark beschränkt und Berichte über den Konflikt zurückgehalten. Obwohl die sudanesische Regierung kürzlich einigen humanitären Organisationen den Zugang in die Region erlaubte, hat sie nichts unternommen, um Schutz und notwendige Unterstützung für die Vertriebenen zu gewährleisten.  

„Die humanitäre Not in Darfur ist gewaltig", so Takirambudde. „Aber ihr liegt eine Menschenrechtskrise zugrunde. Der Sicherheitsrat muss von der sudanesischen Regierung verlangen, sofortige Maßnahmen zur Beendigung der ethnischen Säuberungen in Darfur zu ergreifen."