NATO-Schutztruppen und die UN-Polizei sollten den Schutz der Minderheiten im Kosovo an erste Stelle setzen, gab Human Rights Watch heute bekannt. In ethnischen Zusammenstößen in der Provinz Kosovo sind seit dem vergangenen Donnerstag 31 Menschen getötet und bis zu 500 Menschen verwundet worden.

Die UN-Polizei wies darauf hin, dass sich die Gewalt hauptsächlich gegen die serbische Minderheit richte. Nicht identifizierte Täter hätten Kirchen, Häuser, öffentliche Büros und mindestens eine Schule in Brand gesetzt. Besonders beunruhigend seien Berichte über Brandanschläge auf neu errichtete Häuser von Serben, die erst vor Kurzem ins Kosovo zurückgekehrt sind, nachdem sie in den vergangenen Jahren gezwungen waren, ihre Häuser zu verlassen.

Die Anschläge ähneln sehr den Brandanschlägen, Entführungen, Einschüchterungen und Tötungen, die im Sommer 1999 gegen Serben und Roma gerichtet waren. Damals sahen sich 200 000 Serben und Tausende Roma gezwungen, die Provinz zu verlassen. Im August 1999 hatte Human Rights Watch dazu einen Bericht veröffentlicht ("Abuses against Serbs and Roma in the New Kosovo").

"Die Antwort der Internationalen Gemeinschaft auf die Anschläge gegen Serben und Roma im Jahre 1999 war zu gering und zu spät", sagte Rachel Denber, amtierende Direktorin der Europa und Zentralasien Abteilung von Human Rights Watch. "Jetzt müssen die NATO und die Vereinigten Nationen schneller reagieren, um Minderheiten zu schützen und ihre erneute Vertreibung zu vermeiden".

Human Rights Watch äußerte auch Besorgnis über die, seit der Anschläge vom letzten Mittwoch im Kosovo, auch in anderen Teilen Serbiens wieder aufflammende Gewalt. Ein Mitarbeiter von Human Rights Watch hatte letzten Donnerstag beobachtet, wie einige Hundert Menschen versuchten, in das Belgrader Büro des Humanitarian Law Centers einzudringen. Das Humanitarian Law Center ist eine der führenden Menschenrechtsorganisationen in Serbien, die über Menschenrechtsverletzungen gegen Albaner und Serben im Kosovo gleichermaßen berichtet. Die Polizei sei zwar alarmiert worden, erschien aber erst nachdem sich die Menschenmenge aufgelöst hatte.

In Belgrad und Nis wurden am Donnerstag Brandanschläge auf Moscheen ausgeübt, wobei die Moschee in Nis völlig ausbrannte. In Novi Sad hatten nicht identifizierte Personen ein islamisches Gemeindecenter, sowie eine Bäckerei und Backstuben von Albanern angegriffen.

"Das Versagen der serbischen Regierung, die Brandanschläge auf Moscheen zu stoppen, stellt einen gefährlichen Rückschritt dar", so Denber. "Serbische Behörden müssen ihre ethnischen Minderheiten konsequenter schützen. Dazu gehört der Schutz ihrer religiösen Einrichtungen und Arbeitsplätze, sowie derjenigen, die sich in ihrem Namen einsetzten".

Human Rights Watch rief die serbische Regierung auf, diese Anschläge auf das strengste zu verurteilen und die Verantwortlichen so schnell wie möglich vor Gericht zu stellen.