Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan, 18. September 2013.

© 2013 Reuters

(New York) – Papst Franziskus soll Gewalt und Diskriminierung gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) verurteilen, so Human Rights Watch in einem offenen Brief an den Heiligen Stuhl. Der Papst soll dafür sorgen, dass katholische Amtsträger in Übereinstimmung mit den Lehren der Kirche handeln.

Obwohl der Heilige Stuhl in Lehrmeinungen und in öffentlichen Erklärungen vor der UN-Vollversammlung auf die Nowendigkeit hinweist, die Würde jedes Menschen zu schützen, verstoßen Vertreter der katholischen Kirche in der ganzen Welt immer wieder in Wort und Praxis gegen dieses erklärte Prinzip.

„Es ist ermutigend zu sehen, dass Papst Franziskus sich öffentlich gegen Diskriminierung und Gewalt ausspricht und eine Kirche fordert, die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen offensteht“, so Graeme Reid, LGBT-Direktor bei Human Rights Watch. „Die Amtsträger der katholischen Kirche sollen sich an die Lehren der Kirche halten und Gewalt und Diskriminierung die Stirn bieten, insbesondere auch die Bischöfe, die oft über erheblichen Einfluss verfügen.“

Human Rights Watch ist besorgt darüber, dass die Botschaften des Heiligen Stuhls nicht konsequent an lokale Religionsgemeinschaften in der ganzen Welt übermittelt werden. Human Rights Watch führte Beispiele aus allen Teilen der Welt an, in denen Kirchenvertreter drakonische und diskriminierende Gesetze gegen LGBT unterstützten und so zu einem Klima der Straflosigkeit und zu Verbrechen gegen sexuelle Minderheiten beigetragen haben.

In Kamerun etwa billigten Erzbischof Samuel Kléda und andere katholische Führungspersönlichkeiten unfaire Strafen gegen Angehörige sexueller Minderheiten, während sie die Gewalt, der diese schutzbedürftigen Gruppen regelmäßig begegnen, nicht verurteilten.

„Amtsträger der katholischen Kirche haben diskriminierende Gesetze und Praktiken gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender stillschweigend oder ausdrücklich unterstützt“, so Reid. „Papst Franziskus kann dies jetzt ändern.“

Human Rights Watch führte gleichzeitig aber auch Fälle an, in denen Bischöfe in Übereinstimmung mit den erklärten Positionen der Kirche im Hinblick auf Gewaltverzicht, Nichtdiskriminierung und allgemeiner Menschenwürde handelten.

Als souveräner Staat mit Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen und als Lenkungsorgan einer Weltreligion befindet sich der Heilige Stuhl in einer einzigartigen Position. Der Papst ist sowohl Oberhaupt der Katholischen Kirche als auch eines souveränen Staates. Die Kirche verfügt deshalb über großen Einfluss in religiösen als auch weltlichen Fragen.
Human Rights Watch begrüßt die moderate Position von Papst Franziskus, insbesondere seine ernstgemeinte Dialogbereitschaft und sein Bekenntnis zum Schutz der grundlegenden Freiheiten und der Menschenwürde jedes einzelnen.

Human Rights Watch ruft Papst Franziskus auf:

  • Gewalt gegen Angehörige sexueller Minderheiten und Gender-Minderheiten öffentlich zu verurteilen;
  • die Entkriminalisierung einverständlicher sexueller Beziehungen zu fordern und sich für eine Aufhebung anderer unfairer Strafen gegen die Angehörigen sexueller Minderheiten und Gender-Minderheiten einzusetzen;
  • seine Ablehnung der Todesstrafe unter allen Umständen zu betonen;
  • den Ton der Kirche in öffentlichen Debatten über Sexualität zu mäßigen; und
  • einen besseren gesetzlichen Schutz für Angehörige sexueller Minderheiten und Gender-Minderheiten zu fordern.

„Papst Franziskus soll seine Position als Kirchenoberhaupt und Staatsoberhaupt geltend machen, damit Kirchenvertreter in der ganzen Welt die Angehörigen sexueller Minderheiten in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der katholischen Kirche behandeln“, so Reid. „Er soll die Achtung der Menschenwürde und ein Ende von Gewalt und Diskriminierung fordern.“