(New York, 24. September 2004) – Kambodscha darf sieben nordkoreanische Asylbewerber nicht nach Nordkorea abschieben, wo ihnen Haft, Folter, und sogar die Hinrichtung droht, sagte Human Rights Watch heute.

Human Rights Watch forderte die kambodschanische Regierung auf, dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge unverzüglich Zugang zu den Asylbewerbern, die seit dem 5. September von der Einwanderungspolizei in Phnom Penh festgehalten werden, zu gewähren. Berichten zufolge hat die Gruppe, darunter zwei Frauen, um permanenten Aufenthalt in Südkorea gebeten.

Hunderte Nordkoreaner sind im Laufe der letzten Jahre durch China in südostasiatische Länder geflohen. Ende Juli wurden 468 Nordkoreaner aus einigen dieser Staaten über Vietnam nach Seoul geflogen. Einige hatten sich, wie verlautet, über ein Jahr in Südostasien aufgehalten.

"Kambodschaner, die das Regime der Roten Khmer überlebt haben, kennen die schwere Unterdrückung, der Nordkoreaner ausgesetzt sind, nur zu gut." sagte Brad Adams, Direktor der Asien-Abteilung von Human Rights Watch. "Kambodscha sollte seinen Verpflichtungen als Unterzeichner der Genfer Flüchtlingskonvention nachkommen, die nordkoreanischen Asylsuchenden zu schützen, und sie nicht zurückschicken."

Human Rights Watch und andere berichten schon lange von massiven Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea. Es besteht keine Rede- oder Glaubensfreiheit und unabhängige Gewerkschaften sind illegal. Wie die Roten Khmer, die Kambodscha 1975-79 beherrschten, ordnet die nordkoreanische Regierung die Bevölkerung in verschiedene Kategorien: "Kern", "Schwankende", "Feindliche" – basierend auf der amtlichen Beurteilung der politischen Loyalität der Einzelnen. Elemente der Grundversorgung, wie Zugang zu Gesundheitssystem und Schulwesen, werden nach diesem Schema zugeteilt.

Einwohner die unter Verdacht stehen, eines ihrer vielen eingeschränkten Freiheitsrechte ausüben zu wollen, werden in Nordkorea als Unruhestifter angesehen. Sie werden verhaftet, ohne Kontakt zu Familie oder Rechtsberatern festgehalten, oft unter brutaler Folter gezwungen, ein Geständnis abzulegen und in Gefängnisse verfrachtet. Gefangene sind unmenschlicher, brutaler, und erniedrigender Behandlung ausgesetzt - viele sterben aufgrund von Misshandlung, Mangelernährung und Fehlen von medizinischer Versorgung.

Für politische Vergehen, ob tatsächlich oder nur vermutet, kann die gesamte Familie des Beschuldigten in Zwangsarbeitslager geschickt werden, manchmal für den Rest ihres Lebens. Trifft die Familie kein solches Schicksal, so verwehrt man ihr oftmals Zugang zu guten Arbeitsstellen oder höherer Bildung. Die Zahl der politischen Gefangenen in Haftanstalten wird auf 200.000 geschätzt.

"Nordkoreaner, die das Land ohne staatliche Erlaubnis verlassen, werden bei ihrer Rückkehr eingesperrt, gefoltert, und sogar hingerichtet.", sagte Brad Adams. "Die kambodschanische Regierung sollte über ihren Schatten springen und den nordkoreanischen Asylbewerbern Schutz bieten."

Als Unterzeichner der Flüchtlingskonvention von 1951 und dem dazugehörigen Protokoll von 1967 und nach internationalem Gewohnheitsrecht ist Kambodscha dazu verpflichtet, Asylsuchende nicht gegen ihren Willen an einen Ort zu verbringen, wo ihr Leben oder ihre Freiheit durch Verfolgung bedroht ist. Die Folterkonvention, die Kambodscha ebenfalls ratifiziert hat, verbietet es, Personen in ein Land auszuweisen, wo es Grund zur Annahme gibt, dass ihnen dort Folter droht.

Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist eine große Anzahl von Nordkoreanern aus einer Reihe von Gründen aus ihrer Heimat geflohen, darunter Angst vor politischer Verfolgung. Einmal im Ausland, droht ihnen bei der Rückkehr die Inhaftierung, auch wenn die Gründe für die Ausreise andere waren, wie etwa um nach Nahrung zu suchen. Das macht viele nordkoreanische Migranten zu „refugees sur place“, oder Personen, die wegen der Gefahr von politischer Verfolgung bei ihrer Rückkehr auf ausländischem Gebiet Anspruch auf Schutz als Flüchtlinge bekommen.