Der Präsident des Internationalen Olympischen Komittees (IOC) Thomas Bach während einer Konferenz in Lausanne am 9. Juli 2014.

© 2014 Reuters

Menschenrechte, gerechte Arbeitsbedingungen und Anti-Korruptions-Maßnahmen müssen zentraler Bestandteil aller Stufen des Bewerbungsprozesses für die Olympischen Spiele werden. Dies sei von zentraler Bedeutung, damit Olympia nicht zu einem Synonym für Unterdrückung werde, heißt es in einer Stellungnahme der Sport and Rights Alliance (SRA) im Vorfeld des Treffens des Internationalen Olympischen Kommittees in dieser Woche.

Das Exekutivkommittee des IOC tagt vom 26. bis 28. Februar in Rio de Janeiro, um über die Umsetzung der Agenda 2020 zu diskutieren. Diese war im vergangenen Dezember als „strategischer Fahrplan für die Zukunft der olympischen Bewegung“ verabschiedet worden. Sie enthält unter anderem konkrete Anti-Korruptions-Maßnahmen, Arbeitsstandards und Vorschläge zur Verbesserung von Transparenz und der Förderung verantwortungsbewusster Führung.

In einem offenen Brief an den IOC-Präsidenten Thomas Bach warnt die SRA:

„In der Vergangenheit ist am Rande großer Sportveranstaltungen zu bedauerlichen Vorfällen gekommen: Zu oft sind Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden, weil sie Infrastrukturprojekten weichen müssten. Arbeiter sind ausgebeutet und Kritiker eingesperrt worden. Es sind irreperable Umweltschäden verursacht worden. Und der Olympia-Vergabeprozess ist längst berüchtigt für seine Intransparenz.

Die Empfehlungen der Agenda 2020 sind eine Chance, dies zu ändern. Ihre Umsetzung kann gewährleisten, dass Menschenrechte, Umweltschutz und Anti-Korruptions-Maßnahmen zentraler Bestandteil der Olympischen Spiele werden – vom Bewerbungsverfahren über die Vorbereitung bis hin zur Durchführung und der medialen Berichterstattung.“

Die Veröffentlichung dieses Briefes fällt in eine Zeit, in der sich das IOC auf das Ende des Bewerbungsverfahrens für die Olympischen Spiele 2024 im September vorbereitet. Zudem stehen im Juni die ersten Europäischen Spiele in Baku, Aserbaidschan an – in einem Land also, in dem Kritik an der Regierung in einer Gefängnisstrafe auf enden kann, die auf obstrusen Anschuldigungen fußt. Zur Zeit sind noch mindestens 20 solcher politischen Gefangenen in Aserbaidschan inhaftiert.

Zudem folgt der offene Brief auf eine Welle globaler Entrüstung über Russlands erschreckende Vernachlässigung der Rechte Homosexueller, des Umweltschutzes und der Meinungsfreiheit, die während der Olympischen Spiele in Sotchi offenkundig wurde. Ebenso stehen Zwangsräumungen im Zuge der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro 2016 sowie neuerliche Korruptionsanschuldigungen in nationalen und internationalen Sportverbänden in der öffentlichen Kritik.

Um sicherzustellen, dass die Olympischen Spiele 2024 und alle zukünftigen olympischen Veranstaltungen „nicht nur für ihren sportlichen Glanz sondern auch für die Aufrechterhaltung der olympischen Prinzipen gefeiert [werden]“, empfiehlt die SRA dem Internationalen Olympischen Kommittee, folgende Punkte in die Bewerbungskriterien aufzunehmen:

  • Faire Arbeitsbedingungen
  • Menschenrechtsstandards zur Vereinigungsfreiheit
  • Das Recht auf kollektive Lohnverhandlungen
  • Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz
  • Die Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeits

Weiterhin wird dem IOC nahegelegt, „die erforderliche Sorgfalt an den Tag zu legen, um sicherzustellen, dass es durch die Austragung der Olympischen Spiele nicht zu Menschenrechtsverletzung kommt“. Auch Maßnahmen zur Gewährleistung höchster Anti-Korruptions-Standards sowie der Integrität im Geschäftsgebahren des IOC seien essentiell.

Diese Standards sollten dabei nicht nur auf gutem Willen basieren. Vielmehr müssten sie nicht-verhandelbar und für alle Beteiligten absolut bindend sein, erklärt der Brief weiter. Darüberhinaus müsse das IOC von Beginn an unabhängige Kontrollmechanismen entwickeln. Dadurch soll garantiert werden, dass die im Bewerbungsverfahren und im Ausrichtervertrag festgehaltene Versprechen über die gesamte Laufzeit der Veranstaltung eingehalten werden.

Eduard Nazarski, Direktor von Amnesty International in den Niederlanden – genau wie Amnesty UK und andere Mitglied der SRA – sagte hierzu:

„Die olympischen Prinzipien, die Inklusivität und Freiheit predigen, sind zwar sehr wichtig. Sie bedeuten jedoch rein gar nichts, wenn sie nicht eingehalten werden. Traurigerweise gibt es viele Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, in denen diese Prinzipien mit Füßen getreten wurden und großes Leid hinterlassen worden ist.

Die Agenda 2020 ist eine große Chance für das Internationale Olympische Kommittee, mit all diesen Vorfällen aufzuräumen und den Namen der Olympischen Spiele reinzuwaschen, damit sie nicht zum Synonym für Unterdrückung werden. So werden zukünftige Spiele nicht nur sportlichen Glanz und den wahren olympischen Geist vereinen. Sie werden auch ein Zeichen an andere internationale Sportverbände senden.“

Die SRA ist ein Zusammenschluss führender NGOs, Sportvereinigungen und Gewerkschaften, wie zum Beispiel: Amnesty International, FIFPro, Football Supporters Europe, Human Rights Watch, dem Internationalen Gewerkschaftsbund, SupportersDirect Europe, Terre des Hommes und Transparency International Deutschland.