Ein Sturmgewehr in einem Klassenzimmer einer von Soldaten besetzten Schule im kolumbianischen Bundesstaat Chocó.

© 2007 Getty Images

(Berlin) – Armeen und bewaffnete Gruppen weltweit dürfen Schulen während bewaffneter Konflikte nicht zu militärischen Zwecken nutzen, so Human Rights Watch heute. Am heutigen Internationalen Tag der Kinderrechte veröffentlicht Human Rights Watch ein Video, das in sechs Sprachen verfügbar ist und zeigt, wie Kinder unter der militärischen Nutzung ihrer Schulen leiden.

In den meisten Ländern, in denen bewaffnete Konflikte stattfinden, nutzen Armeen oder bewaffnete Gruppen Schulen zu militärischen Zwecken. Dies hat verheerende Konsequenzen für die Schüler und für das Recht auf Bildung. Die Kämpfer verwandeln Schulen in Kasernen, Hafteinrichtungen, Ausbildungslager, Waffendepots und Stützpunkte für Militäroperationen. Häufig besetzen die Truppen nur Teile der Schule und setzen die Schüler, die weiterhin zum Unterricht kommen, damit erheblichen Gefahren aus.

„In Schulen sollten sich Schüler tummeln, nicht Soldaten“, so Bede Sheppard, stellvertretender Direktor der Kinderrechtsabteilung von Human Rights Watch. „Wenn Streitkräfte Schulen besetzen, machen sie die Schüler und ihre Schulbildung damit zur Zielscheibe.“

Bei Angriffen auf besetzte Schulen durch gegnerische Kämpfer werden immer wieder Schüler und Lehrer verletzt und getötet. Weitere Folgen der militärischen Nutzung von Schulen sind langfristige Schulschließungen, rückläufige Einschulungs- und Schulbesuchsraten sowie psychosoziale Schäden bei Schülern, Lehrern und ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Besonders schwerwiegend sind die Auswirkungen für Mädchen, sie sind durch die Gegenwart von Kämpfern besonders bedroht.

Zwischen 2005 und 2012 haben Armeen und bewaffnete Gruppen Schulen in mehr als 24 Konfliktstaaten in Afrika, Asien, Europa, dem Nahen Osten und Südamerika besetzt.

Das von Human Rights Watch veröffentlichte Video zeigt Bildmaterial, dass die Kinderrechtsexperten der Organisation bei ihren Recherchen aufgenommen haben, sowie Fotos von Magnum- und Getty Images-Fotografen, die im Auftrag von Human Rights Watch arbeiteten.

Das Video enthält auch Archivaufnahmen von Malala Yousafzai, die von den Taliban angegriffen wurde, weil sich für den Bildungszugang von Mädchen in Pakistan eingesetzt hatte. Die Aufnahmen zeigen wie Yousafzai eine Schule besucht, die ihr Vater geleitet hatte. Die Familie hatte nach ihrer Rückkehr aus dem Exil entdeckt, dass das pakistanische Militär die Schule besetzt und zweckentfremdet hatte.

Schüler und Lehrkräfte, die sich für die Kampagne gegen die militärische Nutzung von Schulen engagieren möchten, können auf der Website www.EMUScampaign.org eigene Fotos und Botschaften veröffentlichen.

Human Rights Watch engagiert sich in der ressortübergreifenden Globalen Koalition zum Schutz der Bildung vor Angriffen und in Kooperation mit Experten und Regierungen für die Entwicklung neuer internationaler Richtlinien zur Verbesserung des Schutzes von Schulen und Universitäten vor militärischer Nutzung. Die Empfehlungen wurden unter dem Titel Draft Lucens Guidelines for Protecting Schools and Universities from Military Use during Armed Conflict veröffentlicht.

Regierungen weltweit sollen die Erarbeitung dieser Richtlinien unterstützen und sich nach Abschluss der Entwurfsphase Mitte 2014 für ihre Umsetzung einsetzen. Alle Staaten werden aufgefordert, Schulen durch neue Gesetze und Richtlinien besser zu schützen und die Draft Lucens Guidelines in ihrer Militärdoktrin, militärischen Ausbildung und den Dienstvorschriften ihrer Streitkräfte umzusetzen.

„Bis zum nächsten Internationalen Tag der Kinderrechte sollten alle Staaten sich klar zum Schutz der Bildung bekennen, indem sie ihren Streitkräften verbieten, Schulen militärisch zu nutzen“, so Sheppard. „Es ist höchste Zeit, dass die Armeen den Kindern ihre Schulen zurückgeben.“

Das Video wurde auf Englisch, Französisch, Deutsch, Japanisch, Niederländisch und Spanisch veröffentlicht. Es wurde von Human Rights Watch und der Globalen Koalition zum Schutz der Bildung vor Angriffen produziert.