Almost a quarter of a million US public school children were subjected to corporal punishment in the 2006-2007 school year, and a disproportionate number of them were students with mental or physical disabilities.

© 2006 Tom Fox/Dallas Morning News/MCT

(New York) - Schüler mit Behinderung werden unverhältnismäßig häufig Opfer von Körperstrafen in öffentlichen Schulen, so ein von der American Civil Liberties Union (ACLU) und Human Rights Watch heute veröffentlichter Bericht. Köperstrafen, meist mit Schlägen verbunden, können den Gesundheitszustand dieser Schüler verschlechtern und ihre schulische Entwicklung behindern. In dem Bericht wird ein sofortiges Ende der Körperstrafen in öffentlichen Schulen der USA gefordert.
 
„Schüler mit Behinderung stehen bereits vor besonderen Herausforderungen, und von Lehrern geschlagen zu werden, verschlimmert ihre Situation", so Alice Farmer, Aryeh Neier Stipendiatin der ACLU und Human Rights Watch und Autorin des Berichts. „Egal wie man es betrachtet, körperliche Bestrafung ist Missbrauch und verletzt das Recht von Schülern auf eine anständige Ausbildung."

In dem 70-seitigen Bericht „Impairing Education: Corporal Punishment of Students with Disabilities in US Public Schools" stellen die ACLU und Human Rights Watch fest, dass Schüler mit Behinderung 18,8 Prozent der Schüler insgesamt ausmachten, die im Schuljahr 2006/07 Opfer von körperlichen Strafen wurden. Insgesamt stellen sie jedoch nur 13,7 Prozent der gesamten Schülerschaft in den USA dar. Mindestens 41.972 Schüler mit Behinderung erlitten in dem betrachteten Zeitraum in amerikanischen Schulen körperliche Strafen. Da nicht alle Fälle gemeldet oder aufgezeichnet werden, spiegeln diese Zahlen wahrscheinlich das tatsächliche Ausmaß physischer Bestrafungen nicht wider.

Körperstrafen sind in 20 Bundesstaaten legal und werden in der Regel durch „paddling" ausgeführt. Ein Schulleiter oder Lehrer schlägt ein Kind immer wieder mit einem Holzbrett auf das Gesäß. ACLU und Human Rights Watch haben in Interviews festgestellt, dass Schüler mit Behinderung auch viele andere Formen körperlicher Bestrafungen erleiden. Sie wurden verprügelt, Schlägen, Ohrfeigen und Kniffen ausgesetzt oder durch den ganzen Raum gezogen und zu Boden geworfen.


Einige Schüler wurden sogar für Verhalten körperlich missbraucht, das im Zusammenhang mit ihrer Behinderung steht. So wurden Schüler mit dem Tourette-Syndrom für ihre unfreiwilligen Tics ebenso bestraft wie Schüler mit Autismus für wiederholende Bewegungen wie Schaukeln. In einigen Fällen führten die Körperstrafen gegen die Schüler zu einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Zum Beispiel berichteten einige Eltern, dass Schüler mit Autismus nach körperlicher Bestrafung gewalttätiges Verhalten gegen sich selbst oder andere entwickelten.

„Körperstrafen können dazu führen, dass sich Schüler hilflos und gedemütigt fühlen und nur ungern in die Schule gehen", sagte Bauer. „Gewalt ist als Erziehungsmittel unwirksam, verletzt die Rechte der Kinder und ist insbesondere dann ungeheuerlich, wenn sie als Strafe gegenüber Schülern mit Behinderung eingesetzt wird. Andere effektivere Erziehungsmittel, wie positive Verhaltensunterstützung, schaffen eine sichere Atmosphäre im Klassenzimmer und unterstützten damit Kinder beim Lernen."

„Impairing Education" basiert auf mehr als 200 Interviews, die von ACLU und Human Rights Watch zwischen Dezember 2007 und Juni 2009 durchgeführt wurden. Interviewt wurden Sachverständige und Einzelpersonen, die unmittelbar mit Körperstrafen zu tun haben, wie Eltern, Schüler, Lehrer, Schulleiter und Sonderschulpädagogen. Gefordert wird ein vollständiges Verbot von körperlichen Strafen in allen öffentlichen Schulen der USA. Bis ein solches Verbot erreicht wird, sollen der Kongress, das Ministerium für Bildung und lokale Regierungen ein Moratorium für Körperstrafen gegen Schüler mit Behinderung durchsetzen.


Die Anwendung von Körperstrafen ist eine Verletzung internationaler Menschenrechtsstandards, nach denen körperliche Gewalt gegen Schüler nur dann eingesetzt werden darf, wenn es keine andere Möglichkeit zum Schutz des Kindes oder anderer Kinder gibt. Im Juli unterzeichneten die USA die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (CRPD), das historisch umfassendste internationale Abkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung.

„Wir hoffen, dass sich die Obama-Regierung mit der Unterzeichnung des CRPD in der Verantwortung sieht, auch die nächsten Schritte zu unternehmen, um die USA in Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards zu bringen - einschließlich eines sofortigen Verbots von Körperstrafe gegen Schüler mit Behinderung", so Bauer.


Ausgewählte Zeugenberichte:

Anna M. berichtete, wie sie ihren 7-jährigen Sohn, der unter Autismus leidet, von einer öffentlichen Grundschule in Florida abholte: „Er war voller blauer Flecken - auf den Ober- und Unterseiten seiner Arme sowie entlang seines Oberkörpers. Er hatte eine aufgeplatzte Lippe, die ich zuerst nicht bemerkte. Er erzählte mir, ‚Sie haben mich das Blut abwaschen lassen, bevor du kamst.'"

Deena S., deren Sohn mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) starke Verletzungen durch „paddling" an einer öffentlichen Mittelstufenschule in Texas erlitt: „Es waren richtig tiefe Verletzungen - nicht nur blaue Flecken - mit einem Durchmesser von 8-10 cm. Das Zentrum der Wunden war zunächst farblos, färbte sich dann aber tief dunkel. Das war nicht nur etwas rot, sondern fast schwarz."

Theresa E., deren 5-jährige Enkelin mit Autismus in ihrer Grundschule in Georgia körperlich bestraft wurde: „Man konnte die Quetschungen sehen. Als sie in die Notaufnahme kam, war bereits ihr gesamter rechter Arm angeschwollen. Der Arzt sagte, es sah aus, als sei sie mit einem Baseballschläger geschlagen worden oder in einen Motorradunfall verwickelt gewesen. Bis heute weiß ich nicht, womit man sie geschlagen hat."

Michelle R., deren Sohn unter dem Tourette-Syndrom leidet, das die Ursache unfreiwilliger physischer Tics sein kann und dafür an einer öffentlichen Grundschule in Mississippi bestraft wurde: „Einer seiner Tics ist das Ballen der Fäuste ... das wurde als Aggression ausgelegt und er kam dadurch in Schwierigkeiten ... Er versuchte zu erklären, dass es sich um einen Tic handelt, den er nicht kontrollieren kann. Aber das wurde als weitere Provokation verstanden ... Es gab dort eine kleine Kammer, in die er gezwungen wurde und in der er dann geschlagen wurde."