(New York, 1. Februar 2007) – Die Maoisten in Nepal sollen sollen umgehend Tausende Kindersoldaten freilassen und die weitere Rekrutierung von Kindern beenden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht.

Der 72-seitige Bericht „Children in the Ranks: The Maoists’ Use of Child Soldiers in Nepal” beschreibt, wie die Maoisten weiterhin Kindersoldaten einsetzen und sogar noch weitere Kinder rekrutieren, obwohl sie am 21. November ein Friedensabkommen mit der nepalesischen Regierung unterzeichnet haben. Das Friedensabkommen verpflichtet beide Seiten dazu, keine Kindersoldaten mehr zu rekrutieren.

Der Bericht, der auf Interviews mit ehemaligen Kindersoldaten sowie nepalesischen und internationalen Beobachtern beruht, dokumentiert, wie bereits 14-jährige Kinder an der Front gekämpft haben. Sie wurden an Waffen ausgebildet und mussten entscheidende logistische und militärische Aufgaben für die Maoisten ausführen.

„Die Maoisten müssen die Kinder freilassen“, so Sam Zarifi, Research-Direktor der Asien Abteilung von Human Rights Watch. „Das Friedensabkommen verbietet eindeutig den Einsatz von Kindersoldaten, und dies einzuhalten, wird ein zentraler Test sein für den guten Willen der Maoisten, das Abkommen zu erfüllen.“

Nepalesische und internationale Beobachter glauben, dass bis zu 4 500 maoistische Soldaten jünger als 18 Jahre waren, als sie rekrutiert wurden. Sie mussten in einem zehnjährigen Bürgerkrieg kämpfen, der mehr als 13 000 Leben gekostet hat.

Die Maoisten haben jedoch immer bestritten, Kindersoldaten zu rekrutieren und einzusetzen. Als der Maoisten-Führer Prachanda am 18. November von Human Rights Watch dazu befragt wurde, wiederholte er die offizielle Position der Maositen:“Wir haben niemals die Politik verfolgt, Kindersoldaten in unsere Armee aufzunehmen. Aber es werden zum Teil Kinder von unserem Militär versorgt, derel Eltern gepeinigt wurden.“

Lokale maoistischen Befehlshaber haben die gleichen Antworten gegeben oder den Einsatz von Kindersoldaten auf Disziplinlosigkeit in anderen lokalen Milizen geschoben.

„Nur wenn die Maoisten, angefangen von den Anführern bis hin zu den Kadern im Gelände, zugeben, wie viele Kinder in ihren Rängen sind, und sie freilassen, können die Nepalesen darauf vertrauen, dass ihre Kinder nicht mehr zum kämpfen rekrutiert werden“, so Zarifi.

Der Bericht von Human Rights Watch dokumentiert, wie die Maoisten verschiedene Techniken für die Rekrutierung von Kindern verwendeten. Sie haben einzelne Kinder gekidnappt, größere Gruppen von Kindern aus Schulen entführt und Kampagnen geführt, um Kinder als „Freiwillige“ anzulocken. Diese Praktiken wurden systematisch über mehrere Jahre und in verschiedenen Gebieten angewandt, die unter maoistischer Kontrolle stehen.

Die meist erzwungene Rekrutierung von Kindersoldaten durch die Maoisten hat zu großer Angst unter den Nepalesen geführt und viele Familien sind deshalb geflohen.

In Gebieten, die von den Maoisten kontrolliert werden, haben diese eine „eine-Familie-ein Kind-Politik“ eingeführt, wonach aus jeder Familie mindestens ein Kind für die Maoisten kämpfen musste. Wenn Jungen von zu Hause wegliefen oder weggeschickt wurden, wurden Mädchen rekrutiert.

„Der Einsatz von Kindersoldaten durch die Maoisten verstößt gegen internationales Recht“, sagte Jo Becker von der Abteilung für Kinderrechte von Human Rights Watch. „Kinder unter 18 Jahren dürfen nicht eingesetzt werden, gleichgültig, ob sie zwanghaft oder durch Propagandamaßnahmen rekrutiert wurden.“

Seit dem Waffenstillstand vom 3. Mai waren keine Kinder mehr in Kämpfe verwickelt. Aber die Maoisten haben bis zu der Unterzeichnung des Friedensabkommens und auch danach, wenn auch in geringerem Ausmaß, weiterhin Kinder rekrutiert.

Der Bericht dokumentiert zusätzlich das Versagen der nepalesischen Regierung, auf die Bedürfnisse der Kindersoldaten einzugehen. Bis zum jüngsten Friedensabkommen haben nepalesische Sicherheitskräfte Kinder, denen die Unterstützung der Maoisten vorgeworfen wurde, ebenso brutal behandelt wie Erwachsene, die verdächtigt wurden, mit den Maoisten zusammenzuarbeiten. Die Regierung hat noch keinen Plan erstellt, um Kindersoldaten zu unterstützen, die die maoistischen Truppen verlassen.

Human Rights Watch fordert die wichtigsten internationalen Geldgeber - wie die USA, die EU, Indien und die UN - auf, die notwendige technische und finanzielle Unterstützung bereitzustellen, die für eine Reintegration der Kindersoldaten in die Gesellschaft nötig ist.

„Die Freilassung aus den maoistischen Truppen ist nur der erste Schritt für Tausende Kinder, die keine Ausbildung haben und nicht gelernt haben, sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen“, so Jo Becker. „Die nepalesische Regierung und internationale Unterstützer sind dazu verpflichtet, diesen Kindern zu helfen.“

Seit 2002 ist in drei verschiedenen Berichten des UN-Generalsekretärs an den Sicherheitsrat erwähnt worden, dass die Maoisten gegen internationale Standards verstoßen. Sie verbieten den Einsatz und die Rekrutierung von Kindersoldaten. Am 9. Februar soll sich eine Arbeitsgruppe des UN-Sicherheitsrates, die über Kinder und bewaffnete Konflikte arbeitet, mit Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder in Nepal beschäftigen. Die Arbeitsgruppe wird dann Empfehlungen and den Sicherheitsrat weiterleiten.

„Der Sicherheitsrat muss den Maoisten deutlich zu Verstehen geben, dass sie sofort damit aufhören sollen, Kindersoldaten zu rekrutieren“, sagte Jo Becker. „würden Tausende nepalesische Familien von ihrer Angst befreit und der Grundstein für einen anhaltenden Frieden in Nepal gelegt.“