(New York) - Wie kann Liberia am besten geholfen werden? Ein heute veröffentlichter Bericht von Human Rights Watch fordert internationale Spender, die sich in dieser Woche bei den Vereinten Nationen befinden, dazu auf, Liberia durch Geldmittel bei der Wiedereingliederung Zehntausender Kindersoldaten zu unterstützen.

Aus dem 43-seitigen Bericht: "How to Fight, How to Kill: Child Soldiers in Liberia", geht hervor, dass mehr als 15.000 Kindersoldaten auf allen Seiten des liberianischen Bürgerkrieges gekämpft haben und dass viele Einheiten sogar hauptsächlich aus Kindern bestanden. In dem westafrikanischen Land kann nur dann stabiler Friede einkehren, so der Bericht, wenn die Kindersoldaten erfolgreich in die Zivilbevölkerung reintegriert werden.

"In den Kampfhandlungen dieses Bürgerkrieges standen sich oft fast ausschließlich Kinder gegenüber, die sich gegenseitig beschossen und töteten", sagte Tony Tate, Afrikaexperte der Kinderrechtsabteilung von Human Rights Watch. "Der Friede in Liberia kann nur dauerhaft gesichert werden, wenn diese Kinder entwaffnet und wiedereingegliedert werden".

Am 5.und 6. Februar findet unter dem Vorsitz des US-Außenministers, Colin Powell, und des Generalsekretärs der Vereinen Nationen, Kofi Annan, bei den Vereinten Nationen eine internationale Konferenz zum Wiederaufbau Liberias statt. Human Rights Watch hat an die Regierungen aller Länder appelliert, für die von dem bewaffneten Konflikt betroffenen Kinder Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Vor allem muss ein geplantes Programm zur Demobilisierung und Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten voll finanziert werden.

Der Bericht von Human Rights Watch zeigt - indem er die Betroffenen selbst zu Wort kommen lässt - wie die Kindersoldaten missbraucht und gezwungen wurden, selbst Grausamkeiten gegen Zivilisten zu verüben. Häufig misshandelte Kinder wurden erbitterte Bürgerkriegskämpfer. Viele wurden bei der Rekrutierung geschlagen und nur mangelhaft auf ihren Einsatz an der Front ausgebildet. Andere Kinder wurden als Träger und Hilfskräfte benutzt, um die Zivilbevölkerung auszuplündern.

Sowohl die Regierung als auch die beiden Hauptrebellengruppen: "Vereinigte Liberianer für Aussöhnung und Demokratie" (LURD) und "Bewegung für Demokratie in Liberia" (MODEL) verpflichteten Kindersoldaten. Die Zwangsverpflichtung von Kindern unter 15 Jahren verstößt gegen die Genfer Konvention. Auch sieht das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs, das Liberia im vergangenen Oktober ratifiziert hat, die Zwangsverpflichtung oder Eingliederung von Kindern unter 15 Jahren als Kriegsverbrechen an.

"Jungen und Mädchen, oft nicht älter als neun, wurden einfach zwangsverpflichtet - und zwar von allen Bürgerkriegsparteien," sagte Tate. "Die Verwendung und der Missbrauch von Kindersoldaten durch die Truppen war eine bewusste Kriegsstrategie auf höchster Regierungsebene".

Alle liberianischen Kriegsparteien setzten in großem Umfang auch Mädchen für ihre Zwecke ein, die die gleichen Dienste wie die Jungen leisten mussten. Zusätzlich hatten die weiblichen Kindersoldaten auch - oft jahrelang - Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe zu erleiden. Ein Mädchen, das mit 14 Jahren entführt und zwangsverpflichtet wurde, berichtete Human Rights Watch, wie sie mehrfach vergewaltigt wurde.

Kindersoldaten wurden während des gesamten Bürgerkrieges verwendet. Aber als die Kämpfe im Jahre 2000 erneut ausbrachen, rekrutierten die Kriegsparteien Kinder geradezu in Massen. Während viele Kinder zwar seit dem Waffenstillstand im August wieder entlassen worden sind, gehören einige immer noch Truppen an.

Die ehemaligen Kindersoldaten haben häufig den Wunsch wieder in die Schule zu gehen, können sich aber weder die Schulgebühren leisten, noch sonstige Ausbildungskosten bezahlen. Die Regierung von Liberia hat zwar allen Kindern ein Anrecht auf Grundschulbesuch zugesichert, dennoch betont Human Rights Watch, dass nur dann allen liberianischen Kindern eine Schulausbildung möglich ist, wenn die internationale Gemeinschaft dafür entsprechende finanzielle Hilfe leistet.