A 13-year-old boy works in artisanal and small-scale gold mining in Obuasi. He dropped out of school at the age of 12 and would like to continue his education.

© 2014 David A. Masterwille

(Accra) – Internationale Goldraffinerien, die Gold aus Ghana verwenden, riskieren, von gefährlicher Kinderarbeit in nicht-lizensierten Minen zu profitieren, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Er erscheint kurz vor dem Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni 2015. Die Raffinerien sollen umgehend Maßnahmen ergreifen, um Kinderarbeit in ihren Lieferketten auszuschließen.

Der 82-seitige Bericht “Precious Metal, Cheap Labor: Child Labor and Corporate Responsibility in Ghana’s Artisanal Gold Mines” dokumentiert Kinderarbeit in Ghanas Kleinbergbau oder in nicht-lizensierten Minen, wo meist die Förderung stattfindet. Tausende Kinder sollen nicht unter gefährlichen Bedingungen arbeiten, wodurch ghanaisches und internationales Recht verletzt wird. Kinder ziehen die Golderze aus Schächten, tragen und zerkleinern Erzladungen and bearbeiten sie mit giftigem Quecksilber. Die meisten Kinder sind zwischen 15 und 17 Jahre alt. Doch auch jüngere Kinder arbeiten in Ghanas Minen.

„In einzelnen Fällen mag die Arbeit für die Kinder akzeptabel sein. Doch Ghanas nicht-lizensierte Minen sind sehr gefährlich und dort sollen Kinder nicht arbeiten”, so Juliane Kippenberg, Kinderrechtsexpertin von Human Rights Watch und Verfasserin des Berichts. „Wenn Firmen in Ghana Gold kaufen, dann sollen sie ihre gesamte Lieferkette kontrollieren und sicherstellen, dass sie nicht von Kinderarbeit profitieren.“

Human Rights Watch hat seit 2013 vor Ort den Einsatz von Kindern in Goldminen in den westlichen, zentralen und Ashanti-Gebieten des Landes untersucht. Dabei wurden zehn kleinere Goldminen und Goldminen des Kleinbergbaus sowie Orte zur Weiterverarbeitung besucht. 160 Personen wurden interviewt, darunter 44 minderjährige Bergarbeiter zwischen 9 und 17 Jahren. Human Rights Watch hat auch 20 Goldhändler in Ghana und Goldraffinerien außerhalb des Landes getroffen. 

Kinder wurden bei Minenunglücken verletzt, und in wenigsten einem Fall auch getötet. Sie leiden unter Schmerzen und Atemproblemen wegen ihrer Arbeit. Zudem besteht die Gefahr, dass sie Hirnverletzungen und andere lebenslangen Behinderungen durch Quecksilbervergiftung erleiden. Die meisten Kinder, die in den Minen arbeiten, besuchen eine Schule, und einige arbeiten, um ihre Schulkosten bezahlen zu können. Doch viele gehen nur unregelmäßig in die Schule oder brechen die Schule ab.

Große internationale Goldraffinerien aus der Schweiz, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und anderen Ländern verwenden Gold aus dem Kleinbergbau in Ghana, das zu den zehn wichtigsten Goldproduzenten weltweit gehört. Die Lieferkette gleicht einem Trichter: Viele Händler kaufen Gold bei vielen Minen und immer weniger Firmen sind am unteren Ende der Lieferkette zu finden, bis nur noch wenige internationale Firmen übrigbleiben. Nachdem das Gold veredelt worden ist, wird es an Banken, Juweliere, die Elektronikindustrie und andere Unternehmen verkauft.

Human Rights Watch hat sich die Richtlinien und Verfahren zur Sorgfaltspflicht von sechs internationalen Raffinerien genauer angesehen, die Gold aus Ghana kaufen: Metalor (Schweiz), Produits Artistiques Métaux Précieux (PAMP) (Schweiz), Kaloti Jewellery International (VAE), Emirates Gold (VAE), Kundan (Indien) und Rand Refinery (Südafrika). Einige haben Schwächen in ihren Verfahren – die Lieferkette wird etwa nicht angemessen überprüft, über Maßnahmen zur Sorgfaltspflicht wird nicht öffentlich berichtet oder es finden keine systematischen Kontrollen gegen Kinderarbeit statt. Human Rights Watch hat die Ergebnisse der Untersuchung den Unternehmen mitgeteilt und von Metalor, Kaloti, PAMP und Rand Refinery schriftliche Antworten erhalten, die im Jahr 2014 den Goldankauf aus Ghana beendet haben. Zudem traf Human Rights Watch Vertreter von Emirates Gold, Kaloti und PAMP.

Unternehmen sollen klaren Richtlinien gegen Kinderarbeit folgen und ein regelmäßiges Monitoring mit nicht angekündigten Inspektionen durchführen mit Personen, die sich mit Kinderarbeit auskennen. Die gesamte Produktkette soll dokumentiert werden und alle Lieferantenverträge sollen explizit Kinderarbeit verbieten.

Viele örtliche Goldhändler haben wenig getan, um festzustellen, ob das Gold von Kindern produziert wird, das sie kaufen. Zudem haben sie regelmäßig Gold von nicht-lizensierten Minen gekauft, wo Kinderarbeit häufig ist. Drei der vier größten Goldexporteure Ghanas gestehen ein, dass sie Gold gekauft haben, deren Herkunft sie nicht genau bestimmen können. Nur ein Unternehmen sagte, dass es Gold aussschließlich von lizensierten Minen kaufe.

Die Gold-Handelsfirma Precious Metals Marketing Company, die im Besitz der Regierung ist, hat keine Verfahren, um festzustellen, ob Kinder an der Produktion von Gold beteiligt sind, das von diesem Unternehmen gekauft wird. Die Handelsfirma stellt Handelslizenzen für etwa 700 Ankäufer und andere Handelsfirmen aus, ohne dass die Händler auf Menschenrechtskriterien, einschließlich Kinderarbeit, beim Ankuaf von Gold achten müssten. Die Minerals Commission der Regierung stellt Exportlizensen aus, ohne dass Menschenrechtskriterien überprüft werden, auch wenn die Kommission Human Rights Watch nun darüber informiert hat, dass sie dies in Zukunft in Betracht zieht.

„Regierungen sollen eine Sorgfaltspflicht mit Menschenrechtskriterien für Unternehmen einforden - in Förderländern wie Ghana und dort, wo Gold gehandelt und bearbeitet wird, wie in der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten“, so Kippenberg. 

Der Kleingoldbergbau und andere kleine Goldminen sind in Ghana nur schlecht reguliert. Die meisten Minen werden ohne Lizenzen betrieben, die teuer und nur schwierig zu erhalten sind. Bestimmungen über Arbeits-, Umwelt- und andere Standards werden oft nicht durchgesetzt. Zudem ist es in Ghana gesetzlich erlaubt, Quecksilber im Kleingoldbergbau einzusetzen. Obwohl Quecksilber für Kinder besonders schädlich ist, kann man es in Läden für Goldhandel kaufen und Goldhändler stellen es Kindern für ihre Arbeit zur Verfügung. Ein internationaler Vertrag, die Minamata-Konvention über Quecksilber aus dem Jahr 2013, enthält Maßnahmen, um die Belastung durch Quecksilber zu verringern. Doch Ghana hat die Konvention nicht ratifiziert.

„Die Regierung Ghanas hat zu wenig getan, um ihre Bürger vor dieser giftigen Chemikalie zu schützen“, so Kippenberg. „Sie sollte umgehend Techniken zur Goldbearbeitung einführen, die kein Quecksilber benötigen. Zudem soll die Regierung die Minamata-Konvention ratifizieren und umsetzen.“

Inspektionen gegen Kinderarbeit werden in Ghana nicht systematisch durchgeführt, und die Regierungsinstitutionen, die mit Kinderarbeit und Kinderschutz befasst sind, arbeiten nicht angemessen. Immer mehr Kinder in Ghana besuchen zwar jetzt eine Schule, so dass in den letzten 20 Jahren Durchschnittszahlen in der Region sogar übertroffen wurden. Doch Gelder für einen kostenlosen Besuch von öffentlichen Schulen sind nicht angemessen und die Schulen verlangen verschiedene Gebühren.

Ghanas Gesetz für Kinder verbietet Minenarbeit für jeden unter 18 Jahre. Kinderarbeit in Minen verletzt auch Ghanas völkerrechtliche Verpflichtungen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definiert Kinderarbeit als Arbeit, durch die Kinder ihrer Kindheit, ihrer Entwicklungsmöglichkeiten und ihrer Würde beraubt werden. Sie ist schädlich für ihre körperliche und geistige Entwicklung und behindert den Schulbesuch. Die ILO-Konvention 182 verbietet die schlimmsten Formen von Kinderarbeit für jeden unter 18 Jahre. Besonders wird dabei auf Aktivitäten in Minen verwiesen, wie etwa die Arbeit mit gefährlichen Chemikalien und ihr Verbot. 

Die Regierung in Ghana soll gegen die Ursachen für Kinderarbeit vorgehen, indem sie Programme zum Transfer von Bargeld durchführt, angemessene Arbeitsmöglichkeiten für Jugendliche anbietet und den kostenlosen Grundschulbesuch eine Realität werden lässt. Zudem soll die Regierung den Sektor des Kleinbergbaus und anderer kleiner Minen grundlegend reformieren, um ihn besser zu regulieren, zu professionalieren und zu formalisieren. Auch soll gegen Kinderarbeit in Minen vorgegangen werden.

„Ghana soll in Afrika wegweisend sein, indem es eine umfassende Strategie entwickelt, damit der Goldbergbau sicher, professionell und frei von Kinderarbeit ist”, so Kippenberg. „Dadurch kann Ghanas Gold wirklich das Leben der Kinder des Landes verbessern.“